Ehemaliger Landvolkpfarrer Lorenz Rauschecker verstorben

In seiner Heimat bestattet – Großer Verehrer des Niklaus von der Flüe

 

Sein Leben war geprägt für die Bildung und Fortbildung der Menschen im ländlichen Raum. Er war ein Hörender, der Impulse aufnahm und diese als Diözesanlandvolkpfarrer auch umsetzte. Am 2. April 2021 ist Bischöflich Geistlicher Rat Lorenz Rauschecker im 93. Lebensjahr verstorben. Der in Öging in der Gemeinde Erlbach gebürtige Priester wurde auf dem Friedhof in Endlkirchen, unweit seines Geburtsortes, zur letzten Ruhe bestattet. Coronabedingt fand die Beerdigung im engsten Kreis statt.

 

In der Traueransprache verglich Pfarrvikar Dekan Heinrich Blömecke das Leben des Verstorbenen mit einem Hirten, der mit seinen Schafen über das Land gezogen ist. Er wollte den Menschen, gerade im ländlichen Raum nahe sein, ihre Sorgen und Nöte verstehen aber auch Freude und Glück mit ihnen teilen. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Rastplatz am Wasser“ war der Ausdruck seines tiefen Vertrauens in Gott. Diesem Bibelspruch ist er in seinem ganzen Leben treu geblieben.

 

Lorenz Rauschecker ist auf dem Bauernhof seiner Eltern in Öging bei Erlbach mit drei Geschwistern aufgewachsen. Schon in früher Kindheit traten seine musikalischen Talente hervor. Klavierspiel und Gesang haben ihm durch sein langes Leben begleitet. Nachdem seine beiden Brüder im Krieg gefallen sind, hätte Lorenz Rauschecker den „Nöbauernhof“ in Öging übernehmen sollen. Doch er hat einen anderen Weg gewählt und ist Priester geworden. Den Hof hat dann seine Schwester Anna, ebenfalls musikalisch höchst begabt und bis letztes Jahr Organistin von Endlkirchen, übernommen.

Lorenz Rauschecker, der „Nöbauern-Lenz“ wie er allgemein genannt wurde, hat in Passau das Gymnasium und das Priesterseminar besucht und wurde am 29. Juni 1955 zum Priester geweiht und feierte am 2. Juli 1955 sein erstes Heiliges Messopfer in Endlkirchen. Nach Kaplanstellen in Eging, Thurmannsbang, Burghausen und Wollaberg übernahm er seine erste Pfarrei in Jandlsbrunn. Als junger Priester war Lorenz Rauschecker geprägt von der Aufbruchsstimmung des 2.Vatikanischen Konzils. Dabei war ihm immer die Mitarbeit und Eigenverantwortung der Gläubigen wichtig. Eine große Herausforderung war 1969, als er in Aufhausen den ersten Pfarrverband in der Diözese Passau mit insgesamt sechs Pfarreien leiten musste. Weitere Stationen seiner priesterlichen Laufbahn waren die Pfarreien Hauzenberg und Auerbach bei Hengersberg, in denen er von 1975 bis 1991 erfolgreich tätig war. Neben seiner Arbeit in den Pfarreien wurde Lorenz Rauschecker in der Zeit von 1984 bis 1994 zum Diözesanpräses der KLJB berufen. Der Höhepunkt seiner priesterlichen Laufbahn war die Berufung als Diözesanlandvolkpfarrer und als Seelsorger und an der Landvolkhochschule „St. Gunter“ in Niederaltaich, wo er von 1981 bis 2002 erfolgreich wirkte.

 

Untrennbar verbunden mit Pfarrer Lorenz Rauschecker sind die Verbände der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), sowie der Katholischen Landvolkbewegung (KLB). In seinem langjährigen Wirken an der Landvolkhochschule Niederaltaich setzte er sich für eine zukunftsfähige Kirche ein. Dabei stand die Bildung und Fortbildung der Menschen im ländlichen Raum, sowie die Beheimatung im Glauben im Vordergrund. Sein großes Vorbild war der Heilige Niklaus von der Flüe. Bei mehreren Wallfahrten in den Schweizer Ort hat sich der Verstorbene in der Einsiedelei in der Ranft Kraft geholt und seinen Glauben vertieft. Für seine großen Verdienste um die Landvolkbewegung wurde ihm zum Ende seines Wirkens die „Bruder-Klaus-Medaille“, die höchste Auszeichnung der Landvolkbewegung, verliehen.

Wie Niklaus von der Flüe war auch Lorenz Rauschecker stets ein „Hörender“ Er hörte auf die Belange der Menschen wie auch auf Gott hin. So ist er auch auf dem Sterbebild dargestellt: die Hand am Ohr vor dem Bildnis des heiligen Klaus.

 

Seinen Ruhestand verbrachte Lorenz Rauschecker in Auerbach und zuletzt in Hengersberg.

Im Juni 2015 konnte er noch sein sechzigjähriges Priesterjubiläum in Endlkirchen feiern. Durch einen Schlaganfall war Lorenz Rauschecker zwar körperlich eingeschränkt, jedoch geistig immer wach und stark. Doch die Kräfte schwanden: nach einem Krankenhausaufenthalt in Deggendorf und zuletzt auf der Palliativstation Pfarrkirchen hat Lorenz Rauscheker am 2. April 2021 sein Leben in die Hände seines Schöpfers zurückgegeben. Ein erfülltes Priesterleben ging damit zu Ende.

 

12.04.2021, hok