Großer und bescheidener Priester

Afrika-Missionar Pater Joseph Konrad Moser gestorben

Reischach. Mit einem Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin ist am Sonntag Pater Joseph Konrad Moser gedacht worden. Der Geistliche, ein Sohn der Holzlandgemeinde, ist am 13. Juni im Alter von 81 Jahren in Murnau am Staffelsee verstorben.

Pater Joseph Konrad Moser
Pater Joseph Konrad Moser

In der Traueransprache zeichnete Pfarrer BGR Ludwig Samereier Konrads Lebensweg nach, der vor drei Jahren in Reischach noch das 50-jährige Priesterjubiläum gefeiert hatte. Moser erblickte am 30. März 1939 als Sohn der Bauers-eheleute Max und Maria Moser "beim Mittern" in Aushofen das Licht der Welt.

 

Schon als Kind war man in der Schule auf den talentierten Jungen aufmerksam geworden. Er besuchte das Gymnasium und schloss dieses mit dem Abitur ab. Eine vom damaligen Pfarrer Josef Straubinger vorgeschlagene Ausbildung am Priesterseminar Passau lehnte der theologisch interessierte junge Mann seinerzeit ab. Moser wollte den Weg eines Afrika-Missionars einschlagen und trat 1961 in den Orden der "Weißen Väter" in Trier ein. Nach dem Noviziat in Hörstel im Münsterland begann er schließlich ein Theologiestudium in Südfrankreich. Am 28. Juni 1966 empfing er in Le Puy die Diakons- und am 26. Juni 1967 in Passau die Priesterweihe. Die darauf folgende Primiz in seiner Heimatpfarrei Reischach sei ein großer Festtag gewesen, erinnerte Samereier.

Im Anschluss folgte die Aussendung Mosers auf den Schwarzen Kontinent, nach Algerien. In der Großen Kabylei lernte er die arabisch-islamische Kultur kennen, in der er sich bis zu seinem Tod bewegte. Nach dem Studium am Päpstlichen Institut für Arabisch und Islamwissenschaft in Rom ging der Priester nach Algerien zurück. An der Universität in Oran studierte er Germanistik und war dort bis zu seiner krankheitsbedingten Rückkehr nach Deutschland Repetitor für die deutsche Sprache.

Nach seinem Algerienaufenthalt übernahm Moser in der Erzdiözese München und Freising ab 1983 die Verantwortung für die damalige Ökumenische Kontaktstelle für Nichtchristen (ÖKNI), ein gemeinsames Projekt von Erzdiözese und der deutschen Provinz der Afrika-Missionare. Deren Räume in der Münchener Landsberger Straße seien ein Ort der Begegnung und des Austausches von Christen und Muslimen gewesen, so Samereier. Häufig hätte hier zusammen mit hohen Vertretern des Ordinariats der feierliche "Iftar", das gesellige Fastenbrechen im Ramadan, stattgefunden. Später wurde ÖKNI neu ausgerichtet und als Referat für interreligiösen Dialog im Ordinariat weitergeführt.

2009 schied Pater Moser dort als Verantwortlicher aus. Sein Wirken wurde von der Bayerischen Staatsregierung bei seinem Abschied mit der Verleihung der Staatsmedaille gewürdigt. In der muttersprachlichen Gemeinde der arabischen Katholiken in der Landeshauptstadt blieb er indes bis 2018 aktiv. Moser sei von Christen wie Muslimen hoch geachtet gewesen, so Samereier. Er sei einer der wenigen Afrika-Missionare gewesen, die sich intensiv in die arabische Kultur sowohl der Christen als auch der Muslime integriert hatten. Oft hätten ihn seine Gegenüber mit dem Ehrentitel "Abuna" ("Unser Vater") angesprochen.

Auch wenn seine Gesundheit angeschlagen war, sei er doch unentwegt tätig gewesen, um seine Kontakte zu pflegen. Es sollte niemand bei ihm in Vergessenheit geraten, so Samereier. Pater Joseph habe dem Rahmen seines Lebens einen ganz eigenen Inhalt gegeben und Jesus Christus sei ihm Weg, Wahrheit und Leben geworden. Dabei habe er stets den großen Rückhalt seiner Familie verspürt, zu der er gern auf Besuch oder einen Kurzurlaub nach Aushofen kam. Der große und doch so bescheidene Priester sei in der Tiefe seines Herzens und mit festem Glauben Missionar gewesen, habe eine große Liebe zu den ihm anvertrauten Menschen gehabt und habe die Kirche geliebt, sagte Samereier über den Mann, der seinen Lebensabend im Kloster der Weißen Väter verbracht hatte. Am 23. Juni war Pater Joseph Konrad Moser auf dem Münchener Westfriedhof beigesetzt worden.– mbu

 

(ANA vom 23.07.2020)