Jahrhundertfest: Hermann Schächners Primiz

3000 Festgäste verfolgten die beeindruckende Feier auf dem Dorfplatz − "Deine Echtheit kann die Menschen zu Jesus führen"

von Manfred Buchberger


"Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird": Hermann Schächner hebt bei der Primiz den Kelch mit dem Messwein hoch.

Arbing. Ganz Arbing war auf den Beinen und viele Gäste aus Nah und Fern – etwa 3000 Menschen − haben das erste Messopfer von Neupriester Hermann Schächner mitgefeiert. Nach einem Jahrhundert kommt mit dem 28-jährigen Bauernsohn wieder ein Priester aus der 400-Seelen-Pfarrei Arbing.

Mit reichlich Sonnenschein hat auch der Himmel sein Scherflein zum Gelingen des "Jahrhundertfestes" beigetragen – wenngleich so mancher Besucher unter der tropischen Hitze um die 30 Grad zu leiden hatte. Angeführt von der Reischacher Blaskapelle wälzte sich der Kirchenzug vom festlich geschmückten elterlichen Hof in Reiter zum Primizaltar an der Arbinger Hauptstraße. Über 40 Vereine, Geistlichkeit, Ministranten, Verwandte und Freunde, Erstkommunionkinder, Bürgermeister und Gemeinderäte sowie viele Ehrengäste, darunter Landrat Erwin Schneider und Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner, sorgten für ein farbenprächtiges Spektakel.

Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem Dorfplatz vor dem Altar versammelt. Im Hintergrund ist das eigens aufgebaute Festzelt zu erkennen.  − Fotos: Buchberger

1500 Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus Laute Salutschüsse der Arbinger Böllerschützen verkündeten den vielen bereits vor dem Altar wartenden Gläubigen die Ankunft der Prozession. Sitzplätze − 1500 waren vorgehalten − erwiesen sich bei Beginn der Feierlichkeiten als Mangelware, viele mussten sich mit einem Stehplatz begnügen.

Sichtliche Freude bereitete dem Neupriester bei dessen Eintreffen ein persönliches Gedicht von Primizbraut Anna Lena Lichtenwimmer unter dem Titel "Lieber Hermann" hieß es da: "Hier ziehst du nun als Priester ein/ und darfst uns deinen Segen spenden/ durch Gottes Gnade Brot und Wein/ ist Christus selbst in deinen Händen."

Zuvor hatte "Hausherr" Bischöflich Geistlicher Rat Ludwig Samereier den Primizianten in der Heimatpfarrei herzlich willkommen geheißen. Schächners Konzelebranten waren Samereier, dessen Vorgänger Heribert Unterhuber, Domkapitular Josef Fischer und Dekan Christian Altmannsperger. Etwa 30 weitere priesterliche Mitbrüder verfolgten die Primiz. Der Neupriester wirkte äußerlich ruhig, seine innerliche Anspannung war jedoch für die Beobachter durchaus zu spüren.

Musikalisch gestaltet durch den Reischacher Kirchenchor unter der Leitung von Veronika Wimmer wurde das erste Heilige Messopfer des Primizianten zum beeindruckenden Dokument tiefen Glaubens. Hermann Schächners Primizspruch "Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt", einem Auszug aus dem Te Deum, wählte Primizprediger Jörg Fleischer, ein Freund und Wegbegleiter Schächners, bei seinem Predigteinstieg. "Dieser Primizspruch hat dich heute hierher an den Primizaltar in deiner Heimatpfarrei geführt", sagte der Pfarrkirchener Kaplan. "Deine Echtheit kann die Menschen zu Jesus und durch ihn zum Himmel führen".

Weil er auf dem Bauernhof aufgewachsen ist, sei Schächner vertraut mit Aussaat und Ernte, die Gesetze des Wachsens und Gedeihens seien ihm wohlbekannt. "Du selbst bist gewachsen wie ein Pflänzchen in vielen Jahren. Dieses Pflänzchen deiner Berufung wurde hineingesät von Gott in den guten Boden deiner Familie, deiner Pfarrei, unserer Kirche", sagte Fleischer wörtlich. Bewässert worden sei dieses Pflänzchen durch das Vorbild des Heimatpfarrers in der Kinder- und Jugendzeit, aber auch durch Freunde und Wegbegleiter, von denen viele zum mitfeiern anwesend seien.

Seine erste Station: Als Kaplan nach Grafenau Den Arbingern und allen Helfern für das Gelingen der Primiz rief er zu: "Ihr habt wirklich Großes geleistet". Und auch über die nahe berufliche Zukunft Hermann Schächners ließ der Primizprediger die Katze aus dem Sack: er sei vom Bischof zur seelsorgerischen Tätigkeit in den Bayerischen Wald berufen worden – als Kaplan nach Grafenau.

Ergriffen erhob sich die Menschenmenge am Ende der Feier zum Primizsegen. Diesem Ritus wird bekanntlich eine besondere Kraft zugesprochen. Den Primizsegen spendete Schächner gemeinsam mit vier Neupriestern, die allesamt am Vortag zum Teil in Passau, zum Teil in Regensburg geweiht worden waren.

Im Schlusswort bedankte sich Schächner bei den zahlreichen Primizhelfern, stellvertretend dafür bei Festleiter Thomas Gaßlbauer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Elisabeth Sigrüner, die zum guten Gelingen beigetragen haben.

Eine schöne Erinnerung an den denkwürdigen Tag haben auch die Vereine: Deren Abordnungen erhielten vom Primizianten gesegnete Erinnerungsbänder an die Vereinsbanner geheftet.

Im Festzelt schloss sich ein buntes Nachmittagsprogramm an. Die geladenen Festgäste konnten dabei persönlich gratulieren und Geschenke überreichen. Von Reischachs Bürgermeister Herbert Vilsmaier erhielt Schächner einen Messkoffer überreicht, Erlbachs Kollege Franz Watzinger wartete mit einer Stola für den Neupriester auf.

 

(ANA vom 5.7.2012)