Gottesdienst in der Heimat als erste Amtshandlung

Hermann Schächner wird am Samstag zum Diakon geweiht − Am Sonntag feiert er in der Arbinger Pfarrkirche eine Messe

Der erste Augenzeuge eines schlimmen Unfalles mit zwei Toten wurde Hermann Schächner 2008. Der Vorfall hat ihn in seinem Glauben nicht erschüttert.  − Foto: red

Arbing/Erlbach. Vor einem wichtigen Ereignis steht die Pfarrei Arbing: Am Sonntag, 30. Oktober, ab 9 Uhr feiert der aus dem Weiler Reiter bei Waldberg (Gemeinde Erlbach, Pfarrei Arbing) stammende Hermann Schächner in der Pfarrkirche St. Georg seinen ersten Gottesdienst als Diakon mit. Pfarrer Samereier wird die Messe halten. Tags zuvor wird Schächner durch Bischof Wilhelm Schraml die Diakonweihe erhalten.

Im jüngsten Pfarrbrief hat sich Schächner der Gemeinde vorgestellt: "Der Dienst am Altar als Ministrant und die Gemeinschaft der gläubigen Menschen in der Pfarrei sind sicher Punkte, die dazu beigetragen haben, dass der Wunsch, Priester zu werden, nicht erlosch, sondern sich vielmehr verfestigte. "

Wie er weiter schreibt, ist es der Glaube an Jesus Christus als Erlöser der Menschen, der den Tod in der Auferstehung überwunden hat, für ihn die grundlegende Motivation, dass er den Weg zum Priestertum gehen wolle.

Dieser Glaube hat nie eine Erschütterung erfahren − auch nicht in der Nacht des 30. August 2008, als Schächner der erste Augenzeuge eines schrecklichen Unfalles wurde: Als er gegen 1.15 Uhr nach Hause kam, fand er auf dem elterlichen Anwesen drei junge Männer, Opfer eines Motorradunfalls. Einer von ihnen tot, der zweite starb wenig später in den Armen des Notarztes. Der dritte hatte schwerste Verletzungen erlitten. Wie berichtet, waren die beiden 15- und der 17-Jährige zu dritt auf einem Motorrad auf dem Weg nach Hause gewesen. Es kam zu einer dramatischen Verkettung unglücklicher Umstände: Sie kollidierten offenbar mit einem Reh, das am Straßenrand stand und stürzten daraufhin außerordentlich unglücklich. Ausgerechnet durch den Aufprall in der von der Familie Schächner Jahrzehnte zuvor angelegten und seither liebevoll gepflegten Hauskapelle verloren die beiden jungen Männer ihr Leben.

"Es war einfach eine Fügung", sagte Schächner, damals Theologiestudent in Passau, über diesen Vorfall, der bis heute im Holzland als unfassbare Tragödie angesehen wird. Und doch: "Auch solche tragischen Ereignisse sind Teil des Lebens", ist Schächner überzeugt. Gott gebe den Menschen, die an ihn glauben, ja nicht das Versprechen, dass sie nie mehr Leid erfahren. Auch Gottes Sohn Jesus sei ja unschuldig gestorben. Den Menschen bleibe die Frage nach dem "Warum − die können wir nie beantworten, die Frage bleibt immer", ist der angehende Geistliche überzeugt. Und für gläubige Katholiken ende ja mit dem Tod − auch unter so dramatischen Umständen wie in jener August-Nacht − nicht alles. Christen glaubten ja ans ewige Leben. "Das lässt einen das Leid leichter tragen."

Er sehe seine Aufgabe als Diakon und Priester darin, mit Menschen, die solches Leid erfahren haben wie die Eltern der Buben, den "Weg des Lebens" mitzugehen: Er wolle ihnen deutlich machen, dass Gott an ihrer Seite sei. Gerade in der katholischen Kirche gebe es zwar prächtige Feste im Verlauf des Jahres, aber viele davon hätten gerade das Thema Tod und Sterben zum eigentlichen Inhalt. Schächner verweist etwa auf die Karfreitagsfeier.

Hermann Schächner wurde 1984 als zweiter von vier Brüdern der Bauernfamilie geboren. Er wuchs in einer tief im Glauben verwurzelten Familie auf. Zahlreiche Besuche in Altötting mit den Eltern sind ihm aus seiner Kindheit in Erinnerung, unvergesslich ist ihm eine Visite des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger in der Wallfahrtsstadt. In Erlbach und Reischach besuchte Schächner Grund- und Hauptschule und holte anschließend das Abitur in den Spätberufenenschulen St. Josef in Fockenfeld bei Waldsassen (Oberpfalz) und St. Matthias in Waldram bei Wolfratshausen nach. Nachdem er auf dem elterlichen Hof für ein Jahr eine landwirtschaftliche Ausbildung durchlaufen hatte, trat er 2005 ins Priesterseminar St. Stephan in Passau ein. In der Dreiflüssestadt studierte er zwei Jahre, ein Auslands-Studienjahr in Rom schloss sich an, ehe er heuer im Juni sein Studium in Regensburg abschloss.

2012 soll er zum Priester geweiht werden Zurzeit ist er im Rahmen des "Pastoraljahres" im Pfarrverband Fürstenstein-Oberpolling-Nammering tätig und sammelt hier erste Erfahrungen als Diakon. Mit der für Juni 2012 vorgesehenen Priesterweihe wird ihm dann ein neuer Aufgabenbereich zugewiesen.

Vorläufig aber hat Schächner die Diakonweihe im Blick, die am Samstag, 29. Oktober, ab 9.30 Uhr in der Altöttinger Basilika stattfindet und mit einer Dankvesper um 15 Uhr in der Stiftskirche endet. Er freut sich auf den ersten Gottesdienst, den er tags darauf mit den Gläubigen in der Heimatpfarrei feiern wird. Im Anschluss ist ein Weißwurstessen eingeplant, danach soll Schächner die Segnung des Jugendheimes in der Alten Schule vornehmen. − afb

(ANA vom 21.10.2011)