Seit 500 Jahren geht es Schlag auf Schlag

Das "Zügenglöckerl" in der Reischacher Pfarrkirche ein halbes Jahrtausend alt – 1517 wurde sie in Braunau gegossen

Als Martin Luther seine Thesen anschlug, wurde sie gegossen: Das "Zügenglöckerl" in der Reischacher Pfarrkirche. − Fotos: Buchberger Als Martin Luther seine Thesen anschlug, wurde sie gegossen: Das "Zügenglöckerl" in der Reischacher Pfarrkirche. − Fotos: Buchberger

Reischach. Wegen Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche in Wittenberg ist das Jahr 1517 dieser Tage in aller Munde. Wenn auch ungleich kleiner, spielt diese Jahreszahl auch in Reischach eine gewisse Rolle und hat mit einer Feierstunde der Katholischen Pfarrei Erwähnung gefunden.

Am Allerseelentag hat Pfarrer Bischöflich-Geistlicher Rat Ludwig Samereier im Pfarrheim mit etwa drei Dutzend Besuchern der Entstehung der alten Totenglocke im Turm der Pfarrkirche St. Martin gedacht. Vor genau einem halben Jahrtausend sei die Bronzeglocke mit einem Gewicht von 250 Kilogramm und einem maximalen Durchmesser von 79,5 Zentimetern hergestellt worden, wusste der Ortsgeistliche. Geschaffen habe die Bronzeglocke ein Glockengießer aus dem oberösterreichischen Braunau mit Namen Wolfgang Rot, ergänzte Ortsheimatpfleger Alois Stockner auf Nachfrage des Anzeigers. Stockner ist es auch, der die Geschichte der Reischacher Kirchen und deren Glocken im Heimatbuch der Gemeinde Reischach, Band 1, der Nachwelt erhalten hat. Aufgehängt worden sei die Totenglocke, früher auch "Zügenglöckerl" genannt (abgeleitet von den "letzten Zügen"des Menschen –die Red.), im Glockenturm der Reischacher Pfarrkirche 32 Jahre nach Vollendung des heute noch bestehenden alten gotischen Langhausteils der Kirche, erläuterte Samereier den Besuchern. Neben der Inschrift "1517", und dem Namen des Glockengießers Rot, fänden sich auf dem Bronzewerk mit der Schlagtonhöhe "cis 13/16" die Inschrift: "O Rex gloriae veniunt ad nos in pace" (übersetzt: "O König der Herrlichkeit komme mit Frieden zu uns" – die Red.), auch die Heiligennamen Lukas, Markus, Johannes und Matthäus.

Pfarrer Ludwig Samereier Pfarrer Ludwig Samereier

Als die Pfarrei im Zweiten Weltkrieg die vier größten Kirchenglocken für die "Metallspende des deutschen Volkes" abgeben musste, sei es ein Glücksfall gewesen, dass die kleinere Sterbeglocke dabei übersehen wurde. Das Schicksal der Einschmelzung für die Kriegsindustrie sei ihr damit erspart worden, sagte der Pfarrer. Rund acht Jahre habe die Glocke ihren Dienst tagtäglich alleine verrichten müssen, ehe 1950 vier neue Glocken ihren täglichen Dienst antraten. Der älteren und kleineren Bronzeglocke war damit wieder der Einsatz für ihren eigentlichen Zweck vorbehalten – für den Abschied vom irdischen Leben. − mbu

 

(ANA vom 11.11.2017)