Die "Koronakapelle" – hier passiert Vertrauen

Große Feier zum 400-jährigen Bestehen des kleinen Gotteshauses bei Erlbach mit dem gesamten Pfarrverband Reischach

Ein langer Festzug bewegte sich von Birnbach zum Hofer-Anwesen. − Fotos: Hochhäusl Ein langer Festzug bewegte sich von Birnbach zum Hofer-Anwesen. − Fotos: Hochhäusl

Erlbach/Reischach. Mit einem eindrucksvollen Bekenntnis zur Gottesmutter und der Heiligen Korona hat der gesamte Pfarrverband Reischach das 400-jährige Bestehen der Wallfahrtskapelle "Kroahäusl" in Birnbach bei Erlbach gefeiert.

Bischöflich Geistlicher Rat Ludwig Samereier erinnerte in seiner Festpredigt an die zahlreichen Wallfahrer, die seit Jahrhunderten zu diesem Heiligtum pilgern und Votivgaben zum Dank für Heilung und Gebetserhörung bringen. Der Gottesdienst vor der Kapelle, bei dem auch Dekan Heribert Schauer und Pfarrvikar Kumar Yangaldasu als Mitzelebranten am Altar standen, wurde von der Blaskapelle "d’Veranstaltung" musikalisch umrahmt. Bei der anschließenden Feier auf dem benachbarten "Hofer-Anwesen" hat der Erlbacher Pfarrgemeinderat rund 500 Gäste bewirtet.

Unter dem Gnadenbild der "Maria coronata" feierten Dekan Heribert Schauer (von links), Ortspfarrer Ludwig Samereier und Pfarrvikar Kumar Yangaladasu den Festgotesdienst vor der Koronakapelle. Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Rosalie Grabmaier und ihr Vater Franz Strasser Wasser aus dem "Heilbrünnl" geschöpft (rechtes Foto). Unter dem Gnadenbild der "Maria coronata" feierten Dekan Heribert Schauer (von links), Ortspfarrer Ludwig Samereier und Pfarrvikar Kumar Yangaladasu den Festgotesdienst vor der Koronakapelle. Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Rosalie Grabmaier und ihr Vater Franz Strasser Wasser aus dem "Heilbrünnl" geschöpft (rechtes Foto).

"Wer zu Maria kommt, findet durch sie auch zu Jesus""Was passiert hier eigentlich in Birnbach?" Die Antwort auf diese Frage gab Verbandspfarrer Ludwig Samereier in seiner Predigt: "Hier passiert Vertrauen. Menschen kommen hierher um zu beten, tragen Bitten und Anliegen vor, schreiben sich in das Pilgerbuch ein und bringen Votivgaben. Sie wissen, dass sie hier in Vertrauen auf die Gottesmutter ihre Sorgen abladen können und sie vertrauen darauf, dass ihnen geholfen wird. Wer zu Maria kommt, findet durch sie auch zu Jesus."

Zurückblickend ging Pfarrer Samereier auf die Geschichte dieser Wallfahrtsstätte zur Muttergottes und der Heiligen Korona ein: Aus einem Visitationsprotokoll von 1637 geht hervor, dass an dieser Stelle "ein anno 1616 erneuertes und aufgemauertes Hitl steht in dem ,S. Coronae‘ verehret wird". Somit gilt 1616 als erste urkundliche Erwähnung, wobei die Wallfahrt wohl um einige Jahrhundert älter sein dürfte.

Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde diese Kapelle von durchstreifenden Kriegsvolk ausgeraubt und zerstört. Während der Säkularisation 1803/04 entging die Kapelle dem geplanten Abriss, weil der damalige "Hoferbauer" die Baupflicht für die schon baufällige Kapelle übernahm. Seither gehört diese Kapelle zum "Hofer-Anwesen", dessen Besitzer sich in rührender Weise um dieses Heiligtum kümmern.

In der jetzigen Form wurde die Kapelle 1973 von den Hofer-Bauersleuten Franz und Rosalie Strasser, gemeinsam mit der Pfarrei Erlbach unter Pfarrer Josef Pimmer neu erbaut.

Dabei wurde auch die Heilquelle, deren Wasser "gegen Augenwehe" helfen soll, neu gefasst. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem nicht einzelne stille Beter, Wanderer oder kleine Pilgergruppen diesen Ort aufsuchen. Dies ist auch aus den aufgelegten Büchern, in denen Besucher ihre Bitten oder ihren Dank einschreiben können, ersichtlich.

Pfarrer Ludwig Samereier verlas auch die Texte einiger Votivtafeln, die zum Dank für Heilung von Krankheiten oder sonstigen Anliegen neben vielen Kerzen oder sonstigen Votivgaben in die Kapelle gebracht wurden.

Eingangs des Gottesdienstes hatte Rosalie Grabmaier, die derzeitige "Hofer-Bäuerin", Wasser aus der Heilquelle geschöpft, mit dem Pfarrer Samereier dann die rund 500 Besucher segnete.

Über dem Eingang zur Kapelle war das schön verzierte Gnadenbild der "Maria coronata" ausgestellt. Bei diesem Festgottesdienst trug der Erlbacher Männerchor das "Birnbach-Lied" vor, das Ortsheimatpfleger Alois Stockner bei der Erstellung des Pfarrarchives entdeckt hatte.
Nachdem der lange Festzug mit mehr als 20 Fahnenabordnungen aus dem gesamten Pfarrverband beim "Hofer-Anwesen" angekommen war, hatten die Mitglieder des Erlbacher Pfarrgemeinderates, die Hofer-Familie und weitere Helfer alle Hände voll zu tun, um die Gäste zu bewirten.

Für viel Aufmerksamkeit sorgten Severin, Kilian und Simon Lichtenwimmer, Enkelkinder der "Hofer-Bauersleute", als Gstanzl-Sänger. Zur Belustigung der Besucher brachten sie das Geschehen um die Vorbereitung zu diesem Fest zum Besten. "Wer Geburtstag feiert, der lädt Gäste ein/ so alt wie er wird, soviel Gäst sollten’s sein", lautete einer ihrer Verse. Beim Geburtstag des "Kroahäusels" waren es jedoch deutlich mehr als 400.

Dieses Fest hätte ursprünglich im vergangenen Jahr stattfinden sollen, da jedoch die damalige "Hoferbäuerin" Rosalie Strasser schwer erkrankt war und am 24. Januar 2016 verstorben ist, wurde die Feierlichkeit eben heuer nachgeholt.