Heribert Unterhuber ist gern Seelsorger

Erst Sänger und Schreiner, dann Pfarrer – Am Sonntag feiert der 82-Jährige goldenes Priesterjubiläum

Burghausen. Er ist ein Priester, der immer mit beiden Beinen im Leben gestanden ist, der zuhören kann und ein feines Gespür für die Ängste und Nöte der Menschen entwickelt hat – Heribert Unterhuber. Aufgewachsen in Burghausen, hat er hier die christliche Prägung erfahren, die ihn heute vor 50 Jahren an Peter und Paul in Passau zur Priesterweihe und dann zur Primizfeier in seiner Heimatpfarrei Liebfrauen führte. In dieser Kirche wird Unterhuber am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr sein 50-jähriges Priesterjubiläum, die goldene Primiz, feiern. Bewusst hat er sich für einen schlichten Gottesdienst mit Volksgesang entschieden. Die Predigt hält Gemeindereferent Kone Raischl, langjähriger Weggefährte Unterhubers.

Eine besondere Geste an die Kirchenbesucher hat sich der beliebte Priester für diesen Tag ausgedacht. Unterhuber hat schon vor Jahren ein Ringbuch mit den aus Burghausen stammenden 13 Primizianten seit 1936 geschrieben. Jeder wird darin vorgestellt und kommt mit seinen Kernaussagen zu Wort. Das Buch hat Unterhuber jetzt überarbeitet und um den 14. Priester Michael Vogt ergänzt. Jeder Familie will Unterhuber am Sonntag ein solches Ringbuch schenken.

Heribert Unterhuber ist ein Priester, bei dem Wort und Tun eine Einheit bilden. Er ist authentisch, steht ein für seine Überzeugungen, kann gut mit Menschen umgehen und hat mit seiner bodenständigen Seelsorge viel Gutes für seine "Schäfchen" wie auch für die Kirche geleistet. Gelungen ist ihm das vor allem deshalb, weil er sich selbst nie so wichtig genommen hat. "Herr, nimm mich, wie ich bin und mache mich so, wie Du mich haben willst" – diesen Spruch legte er bereits seiner Primizfeier zugrunde und erläutert seinen Bezug zu Gott so: "Ich wollte nie Herr seiner Gemeinde, sondern Diener seiner Gemeinschaft sein, also ein Werkzeug Gottes."

In der Burghauser Kirche Zu unserer Lieben Frau feierte Heribert Unterhuber vor 50 Jahren Primiz. Hier wird der 82-Jährige am Sonntag auch sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern. − Foto: Wetzl In der Burghauser Kirche Zu unserer Lieben Frau feierte Heribert Unterhuber vor 50 Jahren Primiz. Hier wird der 82-Jährige am Sonntag auch sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern. − Foto: Wetzl

Geprägt worden ist Heribert Unterhuber von dem Geist und der Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils. "Ich bin ein Liberaler", verrät er über sich selbst. Die Abkehr von Latein, die Hinwendung zum Deutschen in Gebet und Gesang habe ihn erfreut. Gesungen hat Unterhuber selbst gern. Schon als Kind begann er im Trachtenverein Almenrausch-Lindach zu tanzen und zu singen, lernte Gitarre spielen und trat gern als jugendlicher Sänger auf. Als er dann Pfarrer war, hat er schon mal ein Chanson im Gottesdienst angestimmt.

Singen und Gitarre spielen hat Heribert Unterhuber in jungen Jahren mit Leidenschaft betrieben. Hier musiziert er mit seinem Cousin Anderl Unterhuber (links) und Josef Schweighofer (rechts). − F.: Privat Singen und Gitarre spielen hat Heribert Unterhuber in jungen Jahren mit Leidenschaft betrieben. Hier musiziert er mit seinem Cousin Anderl Unterhuber (links) und Josef Schweighofer (rechts). − F.: Privat

"Mir haben die Mädchen schon gefallen, und ich habe auch tolle Frauen kennen gelernt", erinnert sich Unterhuber. "Der Zölibat ist ein Opfer, das einem Priester auferlegt wird. Vermutlich habe ich mich auch deshalb dafür entscheiden können, weil ich als Spätberufener schon etwas Lebenserfahrung besaß. Denn auch in einer Partnerschaft muss man ja Opfer bringen, um deren Bestand zu sichern."

Erste Gehversucheunter Egerndorfer1935 wurde Heribert Unterhuber in Burghausen geboren und ist mit zwei Geschwistern hier aufgewachsen. Bruder Hans lebt nicht mehr, Schwester Maria Erl ist in Töging zuhause. Der Vater kam im Krieg um, die Mutter musste die Kinder allein großziehen. Heribert Unterhuber machte eine Schreinerlehre. Mit 20 Jahren reifte der Wunsch zum Priester in ihm. Er holte als Spätberufener das Abitur nach und trat ins Passauer Priesterseminar ein. Seine ersten Gehversuche als Seelsorger machte er unter Pfarrer Franz Egerndorfer in seiner Heimatpfarrei. Nach der Priesterweihe 1967 wurde er Kaplan in Vilshofen, sechs Jahre später Domvikar in Passau. Ab 1978 war er als Pfarrer im Pfarrverband Reischach-Arbing-Endlkirchen tätig. Seit dem Ruhestand 2004 hilft Unterhuber in der Pfarrei Neuötting aus.

Bis vor einem Jahr lebte er auch in Neuötting. Dann starb Maria Jungsberger, die ihm 46 Jahre lang Haushälterin war. "Sie hat mir auch oft die Meinung gesagt und geholfen, bei schwierigen Entscheidungen das Richtige zu tun", erinnert er sich. Jetzt hat Unterhuber eine Wohnung im Betreuten Wohnen des Altöttinger Klaraheims bezogen. Gesundheitlich hat sich der 82-Jährige wieder gefangen. Er war an Krebs erkrankt, hat viel Gewicht verloren. Nach Operation und Chemo hat sich sein Befinden positiv stabilisiert.

Den Ruhestand hat Heribert Unterhuber genutzt, um seine Gedanken zu Papier zu bringen. Er hat einige kleine Hefte und Ringbücher herausgebracht, die Menschen bei Krankheit und anderen schwierigen Lebenssituationen Hilfe geben können. Mit seinen "geistlichen Splittern und Spänen" will er den Menschen Mut machen, ihr Leben weiterzuführen, im festen Vertrauen auf Gott. − rw

 

(ANA vom 29.6.2017)