Salut, Herr Pfarrer! Ludwig Samereier 50 Jahre

Reischacher Ortsgeistlicher kam am 20. Februar 1967 zur Welt – Seine Hobbys: Speedwayrennen, Jagen und Imkern

von Manfred Buchberger

 

 


 

"Volle Kanone" im Dienst des Herrn: Ludwig Samereier betreut seit 2004 die Katholiken im Pfarrverband Reischach. Am heutigen Montag feiert er seinen 50. Geburtstag. − Foto: Buchberger

"Volle Kanone" im Dienst des Herrn: Ludwig Samereier betreut seit 2004 die Katholiken im Pfarrverband Reischach. Am heutigen Montag feiert er seinen 50. Geburtstag. − Foto: Buchberger

Reischach. Gelte es den typisch bayerischen Pfarrer zu küren – Ludwig Samereier käme mit großer Wahrscheinlichkeit in die engere Auswahl. Voller Tatkraft, blitzgescheit – weil sehr belesen – und mit Herzenswärme ausgestattet, ist er einfach ein Pfarrer "zum Anfassen" – quasi der Prototyp zur Verbreitung der Botschaft Jesu Christi in der jetzigen Zeit. Am heutigen Tag feiert Reischachs Ortsgeistlicher seinen 50. Geburtstag – bescheiden und ohne großen Aufhebens, wie es seine Art ist.

Doch ganz so ruhig dürfte der Ehrentag für ihn, der einem großen Pfarrverband vorsteht, vermutlich nicht ablaufen. Die meisten Ortsvereine aus Reischach und den anderen Orten seines geistlichen Wirkens, dazu die Vertreter der Pfarrgemeinden, haben für den Jubilar einen Gratulationsbesuch signalisiert und werden dabei (vermutlich) einiges an Überraschungen auf Lager haben.

Geschätzt für Humor und "Schlitzohrigkeit"Gerade die Vereine sind es, mit denen der Jubilar eine besondere Beziehung hat und sich in deren Gemeinschaften richtig wohlfühlt. Waren diese es auch, die ihm, gemeinsam mit dem Pfarrverband, als neuen Ortsgeistlichen vor gut zwölf Jahren mit einem großen Kirchenzug einen überaus herzlichen Empfang bereitet hatten. In Erinnerung sind dabei auch die Worte der damaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Theresia Demmelhuber an den Geistlichen: "Vieles erwarten die Menschen hier im Pfarrverband von Ihnen – und viele sind bereit, Ihnen zu helfen". Pfarrer Samereier hat mit der kirchlichen Arbeit seinen Teil dazu beigetragen und sich im Lauf der Zeit prächtig in der damals für ihn neuen Wirkungsstätte eingelebt.

Das Primizfoto

Das Primizfoto

Die Beliebtheitsskala für den Mann mit der humorigen Art und einer Portion Schlitzohrigkeit im guten Sinne steht nach wie vor ganz oben. Und: Die Bereitschaft, dem Pfarrer in seiner vielfältigen Arbeit zu helfen, hat bis heute im Pfarrverband nicht nachgelassen. Auf die Welt gekommen ist Ludwig Samereier am 20. Februar 1967 als ältestes Kind der Landwirtseheleute Ludwig und Karolina Samereier in Bruderöd in Gemeinde Dietersburg (Rottal-Inn). Samereier hat noch einen jüngeren Bruder und zwei jüngere Schwestern, der Vater ist bereits vor Jahren gestorben.

Die Faszination Landwirtschaft packte ihn schon als kleinen Bub, wurde ihm aber auch schon früh zum Verhängnis: Gerade mal acht Jahre alt verlor er bei einem Griff in den Häcksler seine rechte Hand. Vielleicht war es gerade das schlimme Ereignis, das ihm als Jugendlichen den Weg in die Priesterschule nach Gartlberg wies und eine Priesterlaufbahn einschlagen ließ. Im Juni 1993 weihte ihn Passaus damaliger Oberhirte Dr. Franz Eder zum Priester, tags darauf feierte er in seinem Heimatort Dietersburg groß seine Primiz. Kaplanstellen in Neuötting und später in Arnstorf waren die ersten Stationen seines priesterlichen Wirkens, dem folgten Berufungen als Pfarrer nach Wittibreut und Ulbering, zusätzlich übte er drei Jahre lang Pfarradministrationen in Walburgskirchen und Eiberg aus.

Im September 2004 verschlug es ihn dann ins Holzland: Ludwig Samereier trat die Nachfolge von Heribert Unterhuber an und übernahm den neu gegründeten Pfarrverband Reischach mit den Pfarreien Reischach, Arbing, Erlbach und Perach sowie der Filialpfarrei Endlkirchen. Insgesamt 4200 Schäfchen der Pfarrfamilie galt es ab diesem Zeitpunkt zu hegen und zu pflegen. Samereiers Fleiß und Leistung im Pfarrverband sprachen sich auch schnell bis in die Diözese Passau herum: Bischof Wilhelm Schraml ernannte den damals 45-Jährigen 2012 zum Bischöflich Geistlichen Rat. Vor zwei Jahren stieg Samereier gar in den 23-köpfigen Priesterrat der Diözese auf und berät seither gemeinsam mit seinen Ratskollegen Bischof Stefan Oster in allen größeren Angelegenheiten.

Bei all dem kirchlichen Engagement bleibt für den Gottesmann nur mehr wenig Freizeit für besondere Hobbys und Leidenschaften: Gerade die Jägerei hat den passionierten Waidmann dabei nie los gelassen, ebenso die Imkerei. Die Honigqualität seiner Bienenvölker und sein profundes Fachwissen um die Bienenzucht sind weitum geschätzt.

Und noch eine Leidenschaft treibt den Kirchenmann von Zeit zu Zeit aus dem Pfarrgebiet: Methanol-Geruch. Ludwig Samereier ist ausgesprochener Fan von Sandbahn- und Speedwayrennen und interessiert sich auf den umliegenden Rennarenen für die Spezialmaschinen der Piloten.

Sein Lieblingsgefährt: Der Lanz-BulldogFür landwirtschaftliche Maschinen, alte Traktoren und Standmotoren hat der Geistliche ohnehin schon seit der Kindheit ein Faible: Sein ausgesprochenes Lieblingsgefährt ist bekanntermaßen der Lanz-Bulldog. Der besondere Sound des Kult-Traktors verursache bei ihm immer eine Gänsehaut, wie er bei der Ausstellung eines solchen Gefährts anlässlich eines der vergangenen Dorf-und Erntefeste verraten hatte. Auch vor noch lauteren Geräten hat er keine Scheu: Bei einer Böller-Ausstellung 2015 in Reischach interessierte sich der Geistliche für die gusseisernen Schießgeräte. In schöner Regelmäßigkeit treibt den vielseitig Interessierten der Wissensdurst zu all den Dingen der Vergangenheit auf die Flohmärkte der Region. Alte Fachbücher und Zeitschriften sind es dort, die seine Neugier erwecken, hier war er schon öfter fündig geworden.

"Die Freude an Gott ist meine Stärke" hatte Ludwig Samereier seinerzeit als Primiz-Spruch für sich erwählt. An starken Seiten mangelt es dem Reischacher Seelsorger nicht, die Freude an Gott ist bei ihm ohnehin Tag für Tag spürbar: Der Leitsatz vor mehr als zwei Jahrzehnten trifft bei ihm heute noch voll den Nagel auf den Kopf.

 

(ANA vom 20.02.2017)