Ein Festtag für Ross und Reiter

38. Leonhardiumritt in Steinhausen: Gut 500 Besucher verfolgten die Brauchtums-Veranstaltung mit 74 Pferden

von Manfred Buchberger



 

Vor der Kirche seines Namenspatrons: Leonhard Biermeier vom Brauchtumsverein Erharting stellte den heiliger Leonhard dar, er und seine historisch eingekleidetes Gefolge zogen viele Blicke auf sich. − Fotos: mbu

Vor der Kirche seines Namenspatrons: Leonhard Biermeier vom Brauchtumsverein Erharting stellte den heiliger Leonhard dar, er und seine historisch eingekleidetes Gefolge zogen viele Blicke auf sich. − Fotos: mbu

Erlbach. "Mir san immer gern in Steinhausen dabei": Leonhard Biermeier vom Brauchtumsverein Erharting stand als heiliger Leonhard gewandet hoch zu Ross mit seiner Aussage nicht allein: Mit 74 teilnehmenden Pferden, davon allein sieben Tiere aus dem Nachbarlandkreis Mühldorf mit ihren ebenso historisch gekleideten Reiterinnen in Biermeiers Geleit, sowie einigen hundert Zuschauern, wurde der Leonhardiumritt nahe der kleinen Wallfahrtskirche St. Leonhard am Samstagnachmittag auch in seiner 38. Auflage zu einem eindrucksvollen Erlebnis.

Als Magnet für große und kleine Pferdeliebhaber erwiesen sich ein schöner, wenn auch frischer Herbsttag und eben diese malerische Leonhardikirche unweit des buntgefärbten Steinhausener Laubwaldes. Gerade diese Umstände sind es, durch die sich der beschauliche, weil ursprünglich gehaltene, Umritt im Holzland so wohltuend von großen kommerziellen Leonhardiritten abhebt.

"So, wie er seit Urzeiten überliefert ist" Dass dies auch in Zukunft so bleiben soll, darauf richten die Organisatoren der christlichen Brauchtumsveranstaltung, die in Steinhausen ins 18. Jahrhundert zurückreicht, ihr Hauptaugenmerk, wie Reischachs Kirchenpfleger Ludwig Demmelhuber als deren Sprecher am Rande der Veranstaltung dem Anzeiger sagte. "Wir wollen den Umritt möglichst so abhalten, wie er seit Urzeiten überliefert ist". Bereits vor der Tiersegnung hatte Bischöflich Geistlicher Rat Ludwig Samereier gemeinsam mit Pfarrvikar Kaplan Kumar Yangaladasu den Patroziniumsgottesdienst zu Ehren des Heiligen Leonhard gehalten. Leonhard gilt als Schutzpatron des Stallviehs und der Pferde und gehört zu den am meisten verehrten Heiligen des Alpenraums. Der Ortsgeistliche besprengte Ross und Reiter im Anschluss an die Messe von einer eigens aufgebauten Empore direkt am Rande des Pferdeparcours mit geweihtem Wasser. Zweimal zog die Karawane mit prächtig herausgeputzten Rössern und festlich geschmückten Kutschengefährten an den Gottesmännern und ihren Ministranten vorbei.

Auch auf einem Esel kann man einen Preis bekommen: Martina Jetzelsberger aus Hirten holte sich mit Grautier "Anton" nicht nur den Segen, sondern auch den Kinderschönheitspreis ab.

Auch auf einem Esel kann man einen Preis bekommen: Martina Jetzelsberger aus Hirten holte sich mit Grautier "Anton" nicht nur den Segen, sondern auch den Kinderschönheitspreis ab.

Glimpflich und ohne Verletzung verlief dabei am Waldrand der spektakuläre Abwurf einer jungen Reiterin. Die anwesende BRK-Bereitschaft musste nicht tätig werden.

Die dreiköpfige Jury mit Franz Maier, Bernhard und Manfred Rothenaicher hatte auch heuer wieder die Qual der Wahl, die ausgelobten Sonderpreise zu vergeben. Beim "Schönheitspreis" entschied sich das Trio letztendlich für das Einhorn-Gespann von Karl Staudinger aus Wald, der "Mehrpreis" ging an die Freizeitreiter der Pferdesportgemeinschaft (PSG) Ostbayern mit sieben Pferden und der "Kutschenpreis" an Meinrad Bischoff aus Pleiskirchen. Den "Kinderschönheitspreis" erhielt Martina Jetzelsberger aus Hirten, die auf Esel "Anton" ihre Runden drehte, der "Kinderjugendpreis" ging an die jüngste Reiterin, die dreijährige Stefanie Leitenperger aus Burghausen.

Den Schönheitspreis holte sich Karl Staudinger mit diesem herrlichen Einhorn-Gespann ab. Bei dieser auch als "Unicorn" bezeichneten Anspannung geht vor zwei Pferden an der Deichsel mittig ein drittes.

Den Schönheitspreis holte sich Karl Staudinger mit diesem herrlichen Einhorn-Gespann ab. Bei dieser auch als "Unicorn" bezeichneten Anspannung geht vor zwei Pferden an der Deichsel mittig ein drittes.

Den Sonderpreis, eine Holztafel, konnten auch die Reiterinnen des Erhartinger Brauchtumsvereins zur Erinnerung mit nach Hause nehmen. Die Preise – Reiterfahnen und Holztafeln − waren von den Kirchenpflegern Martin Peterbauer und Ludwig Demmelhuber sowie den beiden Bürgermeistern Franz Watzinger und Herbert Vilsmaier gestiftet worden.

Hellblau und Weiß als Farben für die RosetteDie Kinder- und Jugendpreise kamen von einem Neuöttinger Reitsport-Geschäft, aber auch ein örtlicher Fachbetrieb für Pferdebedarf beteiligte sich mit einem Geschenkkorb. Ein Erinnerungsbild aus der Feder von Ortsheimatpfleger Alois Stockner durften freilich alle Rosserer mit nach Hause nehmen – und auch die Gedenkrosette, die traditionell von Familie Dr. Basting, den direkten Nachbarn der alten Wallfahrtskirche, gespendet wurde. Für die Rosette wählten die Spender diesmal die Farben Hellblau und Weiß.

Den Kinderjugendpreis holte sich Stefanie Leitenperger (3) mit dem irischen Pony "Richie".

Den Kinderjugendpreis holte sich Stefanie Leitenperger (3) mit dem irischen Pony "Richie".

Musikalisch lag die Veranstaltung wieder in den Händen der Blaskapelle Reischach, sie führte die Geistlichkeit und Kirchenbesucher auch zum Schauplatz des Umritts. Platzmangel herrschte im Anschluss im Festzelt der Landjugend, hier ließen sich die Besucher bei einem Ratsch die "Kiachen" und Brotzeiten schmecken.

Moderator Ludwig Demmelhuber begrüßte unter den Besuchern MdL Dr. Martin Huber, stv. Landrat Stefan Jetz, und die VG-Bürgermeister Franz Watzinger, Georg Eder und Herbert Vilsmaier namentlich.

 

(ANA vom 7.11.2016)