Ihre Stärke: Sich zurücknehmen können

Maria Jungsberger ist tot – Sie war 46 Jahre Pfarrhaushälterin bei Heribert Unterhuber

 


 

Maria Jungsberger starb kurz vor ihrem 74. Geburtstag. − Foto: privat

Maria Jungsberger starb kurz vor ihrem 74. Geburtstag. − Foto: privat

Neuötting/Reischach. Sie wirkte eher im Hintergrund, dennoch war sie durchaus präsent: Maria Jungsberger, die 46 Jahre lang Pfarrhaushälterin von Pfarrer Heribert Unterhuber war, ist tot: Die Frau, die Wegbegleiter als klug beschreiben, als bescheiden, herzenswarm und mit großer innerer Stärke versehen, starb kurz vor ihrem 74. Geburtstag. Sie hatte den Kampf gegen den Krebs, der ihr vor allem seit dem vergangenen Herbst immer mehr zugesetzt hatte, verloren.

Obwohl sie vor allem in den letzten Wochen so hat leiden müssen, sei sie dennoch bewundernswert kraftvoll gewesen. So hatte sie sich auf ihr Heimgehen gut vorbereitet gehabt – noch vor drei Wochen hat sie, berichtet Pfarrer Unterhuber, ihr Sterbebild noch selbst entworfen. Eine Zeitlang war sie auf der Palliativstation am Krankenhaus Altötting, ihre letzte Lebenswoche durfte sie zuhause sein, in ihrer gewohnten Umgebung, gepflegt von ihren Schwestern und Nichten und von der Sozialstation. "Sie ist erlöst", sagt Unterhuber, "und wir auch".

Heute um 19 Uhr findet ein Seelenrosenkranz für Maria Jungsberger statt – im kleinen Klösterl, nicht in der großen Stadtpfarrkirche: "Sie hat sich das so gewünscht – in ihrer ganz bescheidenen Art", sagt Unterhuber.

Maria Jungsberger wurde in Pettenau in der Gemeinde Ering geboren. Sie wuchs mit vier Schwestern auf dem elterlichen Bauernhof auf. Die Volksschule besuchte sie in Prienbach, danach arbeitete sie im elterlichen Hof mit und schloss 1963 die Landwirtschaftsschule ab. Nach der Ausbildung zur Dorfhelferin war sie zunächst ab1965 in Hutthum im Bayerischen Wald tätig. 1970 kam sie als Pfarrhaushälterin zu Pfarrer Heribert Unterhuber, der damals in Vilshofen wirkte. Fünf Jahre war sie Sekretärin in der Diözesanstelle "Berufe der Kirche" in Passau, die Pfarrer Unterhuber leitete. 1978 ging sie mit ihm in den Pfarrverband Reischach-Arbing-Endlkirchen und war hier bis 2004 Pfarrhaushälterin. Danach ging sie mit ihm in den Ruhestand nach Neuötting. Dort war sie recht aktiv im gesellschaftlichen Leben – so engagierte sie sich zum Beispiel im Krankenbesuchsdienst oder besuchte gern den Kurs für "Lebensqualität im Alter" von Eva Saller. In diesem Kurs "wird sie eine große Lücke hinterlassen", sagt Eva Saller. Maria Jungsberger sei "so eine kluge und herzenswarme" Person gewesen, dabei immer bescheiden. Ihre Stärke habe Pfarrer Unterhuber ihr gegenüber so beschrieben: "Die Maria ist die, die mich immer auf den Boden geholt hat", erinnert sich Eva Saller.

So hat auch Neuöttings früherer Pfarrer Florian Wöss Maria Jungsberger erlebt: Kraftvoll. Ihre große Stärke war es wohl auch, dass sie sich "immer zurückgenommen hat", sagt Wöss, der sie – wie Eva Saller – erst noch vor kurzem besucht hatte: "So jemand ist sehr stark, wenn er sich freiwillig so einschränken kann." Dennoch habe sie Unterhuber immer auch mal wieder die Meinung gesagt oder Kritik geübt. Wöss bezeichnet sie als "eine der letzten wirklich guten Pfarrhaushälterinnen": In der Öffentlichkeit sei sie auch "sehr diskret gewesen, den Pfarrer schützend, mit ihrer Art, auch Distanz zu halten." Im Privaten habe sie, so Wöss, dem Pfarrer das gegeben, was dieser gebraucht habe: "Ansprache und Kontakt, aber auch die notwendige Distanz in der Öffentlichkeit, die notwendig ist, um so ein Konstrukt funktionieren zu lassen". In der Pfarrei habe sie sich sehr engagiert, auch dort ganz unaufdringlich und sich nie in den Vordergrund spielend: "Sie hat im stillen Hintergrund bestimmt mehr getan als man nach außen hin wahrnimmt", sagt Wöss.

"Sie war die Seele im Pfarrhaus und sorgte für eine offene Tür für jeden", schreiben ihre Schwestern über sie, und weiter: "Ihre Stärken waren Zurückhaltung, Schweigen, Zuhören."

Nach dem Seelenrosenkranz am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Klösterl findet der Auferstehungsgottesdienst für Maria Jungsberger am Samstag, 11. Juni, um 10 Uhr in der Pfarrkirche in Prienbach statt, danach ist Beerdigung. − ina


(ANA vom 8.6.16)