Die Berge waren sein Leben

Gerhard Rinner im Alter von erst 48 Jahren verstorben

 

Er hat mit seinem starken Willen, seiner Kraft und Ausdauer die höchsten Berge Europas bestiegen. Den Kampf gegen eine heimtückische Krankheit konnte er leider nicht gewinnen. An deren Folgen ist Gerhard Rinner, ein erfahrener und umsichtiger Alpinist, in den Abendstunden des 20. Januar im Alter von erst 48 Jahren verstorben.

 

Die Erlbacher Pfarrkirche konnte die vielen Trauergäste bei weitem nicht fassen, die gekommen waren, um Gerhard Rinner die letzte Ehre zu erweisen. Die überwältigende Beteiligung zeugte von der Bekanntheit und Beliebtheit des Verstorbenen. Der Trauergottesdienst wurde von der Singgruppe „Mandala“ mit ergreifenden Liedern und Melodien würdevoll gestaltet.

 

Mit dem Anfang des Gedichtes von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar“ eröffnete Bischöflich Geistlicher Rat Ludwig Samereier seine Traueransprache. Es falle nicht leicht, in der Situation des Todes an „gute Mächte“ zu glauben, da das Leben der Hinterbliebenen gravierend geändert wird. Aber

Jesus Christus wird ihnen auf dem Weg in die Zukunft begleitend zur Seite stehen.

Der Geistliche würdigte den Verstorbenen als einen Menschen, der in jeglicher Situation Rat und Hilfe anbieten konnte. Sein Wissen und Können waren im Betrieb, in der Nachbarschaft, bei Vereinen, bei der Kirche und in der Gemeinde sehr geschätzt. Gerhard Rinner lebte nach christlichen Grundsätzen und deshalb brachte er sich seit 2012 auch in der Erlbacher Kirchenverwaltung ein. Mit seinem Sachverstand wurden die Vorbereitungen für die Sanierung des Kirchendachstuhles getroffen. Leider konnte er bei der Ausführung im vergangenen Jahr nicht mehr Hand anlegen, denn im Herbst 2014 wurde bei ihm ein Gehirntumor festgestellt. Nach erfolgreicher Operation, Chemotherapie und Reha-Maßnahme war er voller Zuversicht, dass er bald wieder in seine geliebten Berge gehen könne. Mit eisernem Willen arbeitete er auf dieses Ziel hin. Er, der mit zwei Bergkameraden schon über dreißig Viertausendern im gesamten Alpenraum erklommen hatte, wollte nicht kampflos aufgeben. Doch es folgte eine zweite Operation, dann ein Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen. Wieder kämpfte er dagegen an, doch zuletzt war die Krankheit stärker.

 

Gerhard Rinner wurde am 19.08.1967 in Katzhub, Gemeinde Erlbach geboren. Nach erfolgtem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Seinen Wehrdienst leistete er beim Luftwaffenstützpunkt in Erding ab. Anschließend nahm er 1989 einen Arbeitsplatz im Werk Gendorf an. Dort machte er eine zweite Ausbildung zum Chemikanten und bildete sich bis zum Chemiemeister weiter. Außerdem schloss er noch die Meisterprüfung im Elektrohandwerk erfolgreich ab. Wegen seiner Fähigkeiten übernahm er bei der Firma Clariant Führungsaufgaben, wo er bei seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern äußerst geschätzt und beliebt war.

Eines seiner glücklichsten Tage, so Pfarrer Samereier, dürfte der 18.0.5.1996 gewesen sein, an dem er Rosmarie Gillinger aus Hebertsfelden heiratete. Der glücklichen Ehe wurden die Töchter Anja, Simone und Verena beschieden, denen er ein treusorgender Vater war. Mit viel Fleiß erbauten sie ihr Wohnhaus in Erlbach. Trotz der vielen Arbeit fand Gerhard Rinner immer genügend Zeit für seine Familie und um in seine geliebten Berge zu gehen. In seinem Tourenbuch standen neben zahlreichen „normalen“ Gipfeln auch große Namen wie Matterhorn, Mont Blanc, Monte Rosa, Bernina oder Eiger. Sein lange gehegter Wunsch, zu seinem 50. Geburtstag eine Alpenüberquerung mit möglichst vielen Gipfelbesteigungen zu machen, ging nun leider nicht mehr in Erfüllung. Ein Foto von dem von ihm zu jeder Jahreszeit so oft bestiegenen Watzmann ziert nun sein Sterbebild.

 

In ihren Nachrufen würdigten Vertreter der Werksleitung der Firma Clariant und des Betriebsrates den Verstorbenen als einen Mann, der sich mit Wissen und Sachverstand zum Schichtmeister hochgearbeitet hatte. Er verstand es vorbildlich, trotz der hohen Arbeitsbelastung auch menschlich und kameradschaftlich zu sein. So kam auch der gesellige Teil nicht zu kurz, was ihn besonders beliebt machte. Gemeinsame jährliche Ausflüge waren dem Betriebsklima dienlich.

 

Der Vorstand des Erlbacher Sportvereins, Peter Lengdobler, würdigte die Verdienste Gerhard Rinners. Er war seit zehn Jahren Mitglied der Tennisabteilung, deren Kasse er vorbildlich führte. Sein handwerkliches Geschick kam dem Verein zu Gute, denn beim Um- und Anbau des Sportheimes führte Gerhard Rinner alle Elektroinstallationsarbeiten durch. Auch die Flutlichtanlage bei den Tennisplätzen war ein Werk des Verstorbenen. Er hinterlässt im Verein eine sehr große Lücke.

 

Werner Lechl als Vorstand der KRSK Obertürken, der der Verstorbene seit der Entlassung aus der Bundeswehr angehörte, nannte Gerhard Rinner einen Kameraden, der immer zur Stelle war, wenn jemand gebraucht wurde. So hatte er lange Jahre das Amt des Fähnrichs inne. „Ich hatt` einen Kameraden“ war ein letzter Gruß der Musikkapelle an den Verstorbenen. Die Arbeitskollegen, Nachbarn, Vereinsmitglieder und Freunde haben mit Gerhard Rinner einen „echten Kameraden“ verloren.

 

26.01.25016, hok