"Reischach wäre gern Ihre zweite Heimat geworden"

Pfarrvikar Pater Kishore Reddy Gade wurde in der Pfarrkirche St. Martin feierlich verabschiedet

 


Pfarrvikar-Nachfolger Kaplan Kumar (von links) war für Pater Kishore im Abschiedsgottesdienst genauso Konzelebrant, wie Pfarrer BGR Ludwig Samereier und Simbachs Vikar Ajirose. − Foto: Buchberger

Reischach. Das Flugticket hat er schon in der Tasche: In der ersten Augustwoche wird Pater Kishore Reddy Gade den Heimflug in seine indische Heimat antreten. Wie bereits berichtet, wird der Geistliche nach über sechs Jahren Tätigkeit als Vikar im Reischacher Pfarrverband in seinem Heimatland eine neue Aufgabe als Lehrer für Englisch und Religion an einer Schule seines Salesianerordens übernehmen.

Am Samstagabend hat er der gesamten Pfarrverbandsfamilie in einem feierlichen Abendgottesdienst als Hauptzelebrant in der bis auf den letzten Platz gefüllten Reischacher Pfarrkirche offiziell Lebewohl gesagt. Als Konzelebranten standen ihm Pfarrverbandspfarrer BGR Ludwig Samereier, Pfarrvikar Ajirose Thankayyan vom Pfarrverband Simbach, Pfarrer i.R. Hans Spielmann und auch Kaplan Kumar Yangaladasu, Nachfolger des scheidenden Vikars, im Altarraum zur Seite. Letzterer wurde bei der Gelegenheit herzlich im Pfarrverband willkommen geheißen.

Eine besondere Note bekam der Gottesdienst durch die musikalische Umrahmung des Singkreises der Pfarrei unter der Leitung von Klaus Hölzlwimmer.

Mit viel Angst, Unsicherheit, Sprachschwierigkeiten und Heimweh sei er vor sechs Jahren im Holzland angekommen, gestand der 36-jährige Inder in seiner Ansprache. "Ich war voller Ungewissheit wie mich die Leute hier aufnehmen – zumal ich aus einem ganz anderen Kulturkreis komme". Aber er habe viel Hilfe erfahren, besonders von seinem "Chef" Pfarrer Samereier und den Mitarbeitern im Pfarrverband, ebenso von vielen Pfarrgemeindemitgliedern. Er könne voller Dank auf eine gute Zeit zurückblicken: "Die Menschen waren alle so lieb, freundlich, mitfühlend, hilfsbereit und verständnisvoll zu mir". Hätte er damals 2008 seinen Ordensoberen für eine Tätigkeit in Deutschland ein "Nein" gesagt, wären ihm viele gute Erfahrungen entgangen – und er hätte nie gelernt, wie die deutsche Kirche mit all ihren vielen Bräuchen versucht, die Menschen in ihrem Glauben zu stärken. All die guten Erfahrungen, die er in einem für ihn fremden Land und im Pfarrverband gemacht habe, nehme er mit. Englisch sagte er: "Today’s beautiful moments are tomorrow’s beautiful memories" –und schickte die deutsche Übersetzung nach: "Die schönen Momente von heute sind die schönen Erinnerungen von morgen".

Als einen "bewegenden Moment" bezeichnete Pfarrer Samereier die Verabschiedung – den Gottesdienst als einen Ausdruck der Verbundenheit. Pater Kishore habe sein Amt zum Wohl des Pfarrverbandes wahrgenommen und für die Gemeinschaft Verantwortung übernommen. Er selber habe mit dem Scheidenden einen "tollen Mitarbeiter" und eine schöne Zeit gehabt. "Wir lassen dich nur ungern gehen". Als Abschiedsgeschenk überreichte Samereier unter dem Applaus der Kirchenbesucher dem Pfarrvikar eine Magnum-Flasche Rotwein, mit dem sinnigen Namen "Schwarzer Mönch". Beim Verkosten möge der Tropfen den Pater an seine Zeit in Bayern erinnern, sagte er.

Für die politischen Gemeinden des Pfarrverbandes ergriff Reischachs Bürgermeister Herbert Vilsmaier das Wort. Vikar Kishore Reddy Gade gebühre Dank für sein seelsorgerisches Wirken in den vergangenen Jahren, an den jungen wie den alten Menschen. Er habe sich trotz sprachlicher Barrieren und großer kultureller Unterschiede einzigartig in der Pfarrei und der Gemeinde eingebracht. Die Bürgerinnen und Bürger würden sich noch lange an seine freundliche Art und sein ruhiges Wesen erinnern. "Danke für die feinen Spuren, die Sie hier hinterlassen haben", sagte Vilsmaier. Pater Kishore sei stets ein guter und aufmerksamer Zuhörer gewesen – und das nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen. "Reischach wäre gerne zu ihrer zweiten Heimat geworden", so Vilsmaier.

Mit dem gerahmten Bild der dreizehn Kirchen des Pfarrverbandes sagte Elisabeth Sigrüner für die Pfarrgemeinderäte dem Abschiednehmenden ein "Danke". Für die Kirchenverwaltung übernahm diesen Part Ludwig Demmelhuber: Er übergab Pater Kishore dabei ein Geldsäcklein mit dem Inhalt der abendlichen Kollekte. Den Betrag solle der Pater für Bedürftige in seiner Heimat verwenden. Mit herzlichem Applaus im Gotteshaus wurde Pater Kishore schließlich verabschiedet. Dabei verriet er den Besuchern auch einen seiner wenigen gelernten bayerischen Sätze: "Des kriagn ma scho".

Den anschließenden Stehempfang, den der Pfarrgemeinderat am Pfarrheim organisiert hatte, nutzten viele der Abendgottesdienstbesucher um sich vom Pfarrvikar zu verabschieden. − mbu

 

(ANA vom 28.07.2015)