Ein Stück Heimatgeschichte erhalten

KAB renoviert Pestfriedhof in Erlbach-Petzenthal – Segnung beim Jahreshauptfest


Mit Weihwasser besprengte Pfarrer Ludwig Samereier das von der KAB Erlbach renovierte Kreuz im Pestfriedhof. Rund 70 Menschen verfolgten die Szene. − Foto: Hochhäusl

Erlbach. Mit der Neugestaltung des Pestfriedhofes und Renovierung des dortigen Pestkreuzes hat der KAB-Ortsverband Erlbach ein Stück Heimatgeschichte erhalten. Bei der Segnung am Sonntagnachmittag waren rund 70 Menschen anwesend.

Zuvor hatte Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich im Gasthaus Prostmeier in verständlicher Weise über die Entstehung der Pest und deren schrecklicher Auswirkung referiert. Die als "schwarzer Tod" bekannte Krankheit raffte seit dem 14. Jahrhundert in ganz Europa Millionen von Menschen dahin.

Das Jahreshauptfest nahm die KAB Erlbach zum Anlass, das im Vorjahr von zahlreichen freiwilligen Helfern renovierte Pestkreuz bei Petzenthal einzuweihen. Vorstand Rudolf May dankte allen freiwilligen Helfern, die das Gerüst aufgebaut und die Bedachung erneuert hatten. Das Gelände haben die Helfer neu eingezäunt, ebenso wurden die Christusfigur und die Tafel mit den in den Jahren 1648/49 Verstorbenen fachmännisch ausgebessert und aufgefrischt.

Bei einer Andacht am Pestfriedhof erinnerte Bischöflich Geistlicher Rat Pfarrer Ludwig Samereier an das Leid der damaligen Bevölkerung, als ganze Familien dem "Schwarzen Tod" zum Opfer fielen. Der Ortsgeistliche erteilte dem renovierten Pest-friedhofs-Gelände mit Weihwasser den kirchlichen Segen.Beim vorhergehenden Frühschoppen hatte Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich über die Entstehung und Ausbreitung der Pest in unserer Heimat berichtet. Am Beispiel eines damaligen Bauers schilderte sie verständlich die Symptome und Auswirkungen der todbringenden Seuche: Die von Flöhen verursachte Krankheit wurde über Ratten auf die Menschen übertragen. Sie breitete sich von Südeuropa nach Norden aus und erreichte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648/49 ihren schrecklichen Höhepunkt im nördlichen Landkreis Altötting. Da die normalen Friedhöfe nicht mehr ausreichten, fanden die in kürzester Zeit Verstorbenen in Massengräbern, die außerhalb der Ortschaften angelegt wurden, ihre letzte Ruhestätte. Eine der Folgen dieses Massensterbens war eine große Hungersnot, weil so viele Arbeitskräfte ausfielen. Die Kreisheimatpflegerin dankte im Namen des Landkreises den Verantwortlichen, dass dieses Kulturgut den Nachfahren erhalten bleibt.

Das KAB-Jahreshauptfest begann mit einem Festgottesdienst zum Thema "Gute Arbeit für Alle". Dabei hatte Ortspräses Pfarrer Ludwig Samereier die Missstände in der Arbeitswelt, vor allem die Leiharbeit, angeprangert. "Es muss möglich sein, dass jeder von seinem Einkommen leben und seine Zukunft planen kann" so seine Forderung. − hok


(ANA vom 26.03.2015)