Niederbronner Schwestern verlassen Reischach

Segensreiches Wirken geht mit dem Weggang von Schwester Berlindis und Schwester Klara zu Ende


Reischach (dm). Beim Sonntagsgottesdienst wurden die Niederbronner Schwestern, Schwester Berlindis Koppenberg und Schwester Klara Franziska Schiebel von der Pfarrei verabschiedet.
Für viele Pfarrangehörige, die zum Abschied gekommen waren, mischten sich Freude und Wehmut gleichermaßen. Zum einen waren sie dankbar, mit solch liebenswürdigen und engagierten Schwestern einige Jahre verleben zu können. Aber es flossen auch bei diesem Abschied Tränen. An diesem Sonntag ging ein Stück Ordensgeschichte verloren. Aus personellen Gründen kann die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) keine jüngeren Schwestern mehr zur Verfügung stellen. Deshalb werden nun die 73-jährige Schwester Berlindis und ihre 76-jährige Mitschwester Klara in Frensdorf bei Bamberg in einem ordenseigenen Haus noch kleinere Dienste übernehmen. Somit verlassen die beiden als letzte Niederbronner Schwestern das Bistum Passau. Beim Gottesdienst, den Ortspfarrer Ludwig Samereier gemeinsam mit den Konzelebranten Geistlicher Rat Hans Spielmann, Diakon Heribert Wagner, Geistlicher Rat Heribert Unterhuber, Prälat Konrad Unterhitzenberger und Pfarrer und Kurseelsorger Josef Werkstetter zelebrierte, dankte Samereier den beiden Schwestern für die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit. Er erinnerte, wie alles begann. 77 Jahre wirkten Niederbronner Schwestern in Reischach. Seit 67 Jahren wohnten Schwestern als Gemeinschaft in Reischach. 1929 bat Pfarrer Josef Pledl Schwestern in Neuötting, die Kranken in Reischach und Umgebung mitzubetreuen. Damals begannen zwei Schwestern. Aus heutiger Sicht, so Samereier weiter, könne man gar nicht mehr richtig ermessen, was die Schwestern in den vielen Stunden bei den Kranken damals geleistet haben. 1949 wurde ein Hof gefunden, den man in ein Schwesternhaus, einen Kindergarten und eine ambulante Krankenpflege umbaute. 1952 kam dann noch eine Handarbeits- und Nähschule dazu. In ihren Verabschiedungsworten in der Kirche meinte Provinzoberin Schwester Marie Petra Beck, dass es heute ein ganzes Bündel von Gefühlen sei, die die Gemeinde bewegen würden. Große Dankbarkeit, Erinnerungen, Wehmut, Abschiedsschmerz, Ängste und Fragen, vor allem für die beiden Schwestern. Doch nicht alleine das Abschiednehmen solle im Vordergrund stehen. Es soll der Dank sein, der uns heute zusammengeführt hat; an Gott, der die Dienste der Schwestern bei den Kranken, Kindern, Heranwachsenden im Zusammenwirken mit Reischach fast sieben Jahrzehnte hindurch mit seinem Segen begleitet habe. 1999 kamen Schwester Berlindis und Schwester Klara nach Reischach. Mit ihrer sympathischen und offenen Art eroberten sie die Herzen der Reischacher. Schwester Klara war für den Haushalt und für das Kochen im Schwesternhaus zuständig. Rezepte ausprobieren war und ist, neben klassischer Musik eine Leidenschaft von Schwester Klara. Schwester Berlindis war ein Allroundtalent in der Pfarrei, das mit Sicherheit spürbare Lücken lassen wird. So leitete sie Schülergottesdienste, verrichtete Mesnerdienste, war Lektorin und Kommunionhelferin und bastelte mit Geschick Kerzen für jeden Anlass. Mit viel Menschlichkeit, Offenheit, Liebe und Verständnis für Kinder organisierte und gestaltetet sie die Kindergruppenstunde, die sie im Pfarrheim einmal wöchentlich abhielt. Für die Kinder war und wird Schwester Berlindis immer etwas Besonders bleiben. Schwer wurde es beim Gottesdienst den Kleinen, als sie ihrer Berlindis zum Abschied ein Lied vortrugen. Auch beim Rosenspalier nach dem Gottesdienst flossen die Tränen. Damit sie ihre Reischacher Gruppenkinder nicht vergisst, haben diese ein Album mit Fotos, lieben Wünschen und vielen Dankesworten liebevoll gestaltet. Im Anschluss wurde im Gasthaus Berger noch eine kleine Feier veranstaltet. Kirchenpfleger Ludwig Demmelhuber dankte den Schwestern für ihr Wirken in Reischach. Er überreichte im Namen der Pfarrei die Kirchensammlung zum Abschied. Er wünschte Schwester Berlindis und Schwester Klara gute und lange Gesundheit im neuen Heim in Frensdorf. Er hoffte, dass im Rahmen eines Pfarrausfluges der Weg die Reischacher nach Bamberg führt und sie sich somit im nächsten Jahr wiedersehen können. Weitere Dankesworte im Gasthaus Berger sprachen Bürgermeister Manfred Gesierich, Pfarrer Ludwig Samereier und Geistlicher Rat Heribert Unterhuber.

(ANA vom 6.5.2006)

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