Wann wurde die Kirche in Endlkirchen wirklich gebaut?

Ergebnis einer Untersuchung: Baugeschichte des Gotteshauses muss an einigen Stellen revidiert werden


Endlkirchen (dm). Dass das Gotteshaus in Endlkicrhen, eine Filialkirche der Pfarrei Reischach, uralt ist, wusste man auch bisher schon. Im Salzburger Urkundenbuch werden bereits im Jahr 930 zu Reischach zwei Kirchen erwähnt, die mit Zehentrechten und allem sonstigen Zubehör ausgestattet und somit Pfarrkirchen waren, so Ortsheimatpfleger und früherer Kreisheimatpfleger Alois Stockner.
Dass mit einer die Pfarrkirche in Reischach gemeint war und mit der anderen die Kirche im nahen Endlkirchen, darüber dürfte wohl kein Zweifel sein, so Stockner weiter. Endlkirchen war damals ja noch keine Filiale von Reischach, sondern ein eigener kleiner Seelsorgebezirk, eine kleine Pfarrei also, deren einstige Grenzen noch bis in unsere Zeit unverändert erkenntlich blieben.
Wohl erst im 12. Jahrhundert gelangt dieser einstige kleine Seelsorgesprengel mit seiner Kirche und allen damit verbundenen Rechten als Filiale zur Pfarrei Reischach. Nun wurde in einer weiteren Salzburger Urkunde kurz nach dem 30. Juni 933 ein Priester namens Riholdus erwähnt, der sein Eigen zu „Ellanharteschirichum“ dem Salzburger Erzbischof Odalbert übergab. Dieser Ort Ellanharteskirchen wurde von namhaften Heimatforschern bisher unter Endlkirchen angenommen, was ja auch durchaus glaubhaft wäre, äußerte Stockner.
Neuerdings, so Stockner weiter in seinen Ausführungen, wird dies von anderen namhaften Forschern angezweifelt und dafür der Weiler Elendskirchen, Gemeinde Feldkirchen-Westerham, Landkreis Rosenheim, mit dem dortigen Marienkirchlein als damit gemeint in Betracht gezogen.
1180 heißt unser Endlkirchen dann urkundlich „Nendelkirchen“, 1558 sogar „Filiale S. Michael zu Zell, gen Reischach gehörig. Um das Jahr 1204 schenkte der Pfarrer von Reischach den Zehent von zwei Bauernhöfen, zu Perach bei der Kirche des hl. Michael für immer dem Kloster Raitenhaslach.
Mit dieser „Kirche des hl. Michael“ war nicht Endlkirchen mit seiner Michaelskirche gemeint, sondern das um 1200 erbaute und 1803 abgebrochene St. Michaelskirchlein in Westerndorf bei Perach, welcher Ort noch bis 1895 zur Pfarrei Reischach gehörte.
Die Kirche St. Michael in Endl-kirchen existiert also, wie die Pfarrkirche Reischach, bereits vor 930. Im 12. oder 13. Jahrhundert wurde sie im romanischen Stil neugebaut. Die kürzlich im Auftrag vom Endlkirchener Kirchenpfleger Martin Peterbauer von einem Münchner Büro für Dendrochronologie und Baudenkmalpflege durchgeführten Untersuchungen des Dachstuhles dieser Kirche ergaben nun eindeutig, dass das Holz für den Dachstuhl über dem Presbyterium der Kirche 1432-1434 gefällt wurde, das Holz des Dachstuhles über dem Langhaus dagegen erst 1437/38.
Dies bedeutet also, so Stockner in seinen geschichtlichen Ausführungen weiter, dass das Presbyterium 1434 erbaut wurde, der Dachstuhl für das Langhaus erst 1438 aufgesetzt wurde. Diese Jahreszahl „1438“ ist auch mit Bleistift an einem Balken angeschrieben und stimmt somit genau mit den Untersuchungsergebnissen überein.
Auch kann man heute noch sehen, dass der Dachstuhl über dem Presbyterium und der über dem Langhaus völlig getrennt errichtet wurden. Weiter konnte festgestellt werden, dass man damals die romanischen Langhausmauern um soviel erhöht hatte, dass sie gleich mit der Seitenhöhe des neuen Presbyteriums wurden. Sowohl das Langhaus des romanischen Gotteshauses erläuterte Stockner, hatte eine hölzerne Flachdecke, wie auch das 1438 erhöhte Langhaus, das noch neuesten Befund eine Kassettendecke mit an den Mauerabschlüssen umlaufend ein gotisches Bandornament aufwies, das heute noch in Fragmenten im Dachraum der Kirche sichtbar ist.
Erst 1831 wurde das Langhaus mit einem Tonnengewölbe versehen, während das Presbyterium von Anfang an, also seit 1434, mit einem Rippengewölbe ausgestattet wurde. Alle späteren kleinen baulichen Veränderungen an dieser Kirche sind Stockner zufolge bekannt.
Insgesamt hat die durchgeführte Spezialuntersuchung, die auf der sogenannten Jahrringchronologie des verwendeten Holzes basiert, interessante baugeschichtliche Aufschlüsse geben - Anlass genug, um die bisherige Baugeschichte dieses Endlkirchener Gotteshauses an einigen Stellen zu revidieren, so Stockner abschließend.

(ANA vom 24.9.07)