Bischof weiht die Glocken der Berger Kapelle

Wilhelm Schraml vollzieht Zeremonie mit Weihwasser, Weihrauch und Chrisam - 350 Besucher erleben die Zeremonie mit

Mit einem kleinen Hammer entlockte Bischof Wilhelm Schraml der größeren den beiden Glocken nach der Weihe den ersten Ton. (Foto: Buchberger)



+++ zu optischen impressionen von der glockenweihe mit fotos von ludwig demmelhuber hier klicken +++

Reischach. Diözesanbischof Wilhelm Schraml hat am Sonntag die Glocken der Kirche St. Vitus im Ortsteil Berg geweiht. Die Zeremonie fand vor dem alljährlichen Patroziniumsfest statt. Rund 350 Gläubige wollten das bei Sonnenwetter miterleben. Der Weg zu der Nebenkirche der Pfarrei Reischach war durch Familien aus Berg reich geschmückt worden.
Mit herzlichen Worten begrüßte Pfarrer Ludwig Samereier auch im Namen von Pfarrer Max Weigl den geistlichen Würdenträger. Sein Besuch sei eine Ehre für die Pfarrei. Er war sichtlich angetan ob der großen Gläubigenschar. „Das Geläute ist wieder komplett“, gab er erfreut kund. Den Chroniken zufolge habe vermutlich noch nie ein Bischof das alte Gotteshaus besucht. Für ihre „unwahrscheinliche Leistung“ für die Kirche dankte der Seelsorger der Dorfgemeinschaft Berg. Diese stehe immer für „ihre Kirche“ ein und zeige stets Engagement durch großzügige Spenden und viele Dienste bei den Patroziniumsfesten.
Die Weihhandlung fand in der Hofeinfahrt des Nachbaranwesens statt. Hier waren die Glocken festlich aufgebaut. Hausherr Dr. Paul Grotemeyer, der Sprecher der Dorfgemeinschaft Berg, gab einen geschichtlichen Rückblick zur Geschichte der Glocken, die bis in die Entstehungszeit der Kirche, wohl im 15. Jahrhundert, zurückreicht (der Anzeiger berichtete). Gesanglich umrahmt wurden der Festakt und der anschließende Gottesdienst durch den Bauern- und Obmännerchor des Landkreises unter der Leitung von Christa Hager.
Diözesanbischof Wilhelm Schraml zeigte sich erstaunt über die, wie er sagte, „stattliche Kirche.“ „Ich habe mir vorgestellt nur eine etwas größere Kapelle vorzufinden“, so der Oberhirte. Er hielt seine Predigt nicht beim anschließenden Patroziniumshochamt, sondern gleich bei den beiden Glocken. Zur kleineren, alten Glocke von 1695 wusste der Oberhirte: Sie habe eine wechselvolle Geschichte hinter sich, sollte doch aus ihrem Metall Kriegsmaterial geschaffen werden. „Gott sei Dank ist dies nicht passiert“, so der Bischof.
Er freue sich immer über den Wohlklang von Glocken, die schöne Botschaften verkünden, Botschaften des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. „Glocken rufen aus zur Versöhnung mit Gott und den Menschen, Glocken laden den Menschen ein, in das Haus des Herrn zu treten“, predigte der Bischof.
An die Bewohner von Berg gerichtet: „Das kleine Stückchen Erde, das Berg heisst, wird ihnen durch dieses schöne Gotteshaus mit ihren Glocken zur Heimat.“ Die drei Botschaften der Glocken sollen die Dorfgemeinschaft Berg in die Zukunft weisen, für den Glauben an den dreifaltigen Gott. „Glocken begleiten den Menschen von der Wiege bis zur Bahre“, so Bischof Schraml.
Feierlich verlief der Ritus der Weihe. Zur Spendung der Sakramentalien sprach der Bischof das Segensgebet und besprengte die beiden Glocken mit Weihwasser; dem folgte die Anräucherung mit Weihrauch. An vier Stellen salbte der Oberhirte die Glocken mit Chrisam, einem Salböl, das auch bei der Weihe von Priestern, Bischöfen oder Altären verwendet wird. Der neu gegossenen, größeren Glocke entlockte der Diözesanbischof mit einem Hammerschlag seinen ersten Ton.

Gesamtkosten von 11 000 Euro

Die neue Glocke trägt die Aufschrift: Heiliger Vitus bitte für uns - Anno 2009. Außerdem enthält sie ein Bild des Heiligen. Auch die alte Glocke war in diesem Zuge renoviert worden. So wurden Holzjoch, Lager und auch die Klöppel erneuert.
Die Gesamtkosten für die Glocken und der Erneuerung des Glockenstuhls inklusive der Montage beider Glocken beliefen sich auf 11 000 Euro. Diese Kosten wurden durch Rücklagen aus den jährlichen Patroziniumsfesten und aus Spenden der umliegenden Nachbarn getragen, wie Kirchenpfleger Ludwig Demmelhuber am Rande der Feier dem Anzeiger sagte. Er betonte, dass viele Spenden dem hohen persönlichen Einsatz des Reischacher Pfarrers Ludwig Samereier zu verdanken seien.
Vier junge Männer brachten in der Prozession die beiden Glocken auf einem fahrbaren Untersatz zum Gotteshaus, um diese auf den Glockenstuhl in rund 15 Metern Höhe zu hängen.
Traditionell bewirtete die Dorfgemeinschaft Berg beim Patroziniumsfest im vollen Festzelt anschließend die Festgäste. Als Namens- und Todestag des heiligen Veit gilt der 15. Juni, welcher damit alljährlich als Patroziniumstag der Kirche in Berg gefeiert wird.
Bischof Schraml suchte dabei in mehreren kurzen Gesprächen die Nähe zu den Menschen. - mbu

(ANA vom 16.6.09)