Warum aus Maria Mirjam wurde

Einblicke in das Leben der Schwestern vom Hl.Kreuz - „Das Leben in dieser Form ist lebbar“

Eine lebenslustige Frau ist die 32-jährige Schwester Mirjam; vor zwölf Jahren ist sie der Gemeinschaft der Schwestern vom Hl. Kreuz beigetreten und geht ganz in ihrer Berufung auf. (Foto: Willmerdinger)




Von Astrid Ehrenhauser

Neuötting. Ein bisschen eitel ist sie schon. So kommt es oft vor, dass sie am Morgen unentschlossen vor dem Kleiderschrank steht. Maria ist eine ganz normale junge Frau von 32 Jahren. Sie lebt in einem gemütlich eingerichteten, modernen Haus - zwischen Büchern und Computer, Fernseher und vielen Kreuzen - in einem Gässchen abseits des Neuöttinger Stadtplatzes; in ihrer Freizeit geht sie regelmäßig joggen oder auch gerne ins Hallenbad. Ihre blau-grauen Augen werden von einer dezenten Brille umrahmt. Die aschblonden Haare trägt sie zu einem langen Zopf geflochten - aber den sieht man nicht. Der ist nämlich von einem schwarzen Schleier bedeckt. Denn Maria heißt mittlerweile Schwester Mirjam und ist Ordensfrau. Seit zwölf Jahren lebt sie in der Gemeinschaft der Schwestern vom Hl. Kreuz. Sie will glücklich sein, „zufrieden“, wie sie es nennt.


Die Gemeinschaft ist
ihr sicherer Hafen


 

„Mit 16 habe ich durch ein Besinnungswochenende bei den Schwestern vom Hl. Kreuz gemerkt, wie sehr die alle strahlen. Das wollte ich auch.“ Für die junge Maria ist klar: Geld oder Karriere allein sind nicht der Schlüssel zum Glück. Mit 20 packt sie deshalb ihre Koffer und zieht zu den Schwestern. Denn sie weiß, dass „das Leben in dieser Form auch „lebbar““ für sie wäre und daher begann sie, sich „selber Gebetszeiten zu machen, so dass die Beziehung zu Jesus intensiver geworden ist.“ Zwar hatte der sonntägliche Kirchgang von jeher in ihrem Elternhaus dazugehört, außerordentlich religiös war sie aber nie. Nun ist der Glaube zu ihrem Leben geworden und die Gemeinschaft zu ihrem Hafen.
Schwester Mirjam scheint nicht in die festgefahrene Vorstellung der althergebrachten Klosterschwester zu passen. Sie wirkt jugendlich und lebhaft, ihren Beruf, ihre Berufung sieht man ihr nicht auf den ersten Blick an. Schwester Mirjam lacht viel, sie hat einen verschmitzten Humor. Obwohl ihre Augen vor Lebenslust und Energie strahlen, verströmt sie Gelassenheit und Ruhe. „Ich habe mein Glück im Glauben und in genau dieser Lebensform gefunden“, sagt die Schwester. Sie sei angekommen und suche nicht ständig nach „etwas Besserem“.
Die 32-Jährige ist gern unter Menschen. Weil sie „gerne Anteil am Anderen“ nimmt, hat sie auch parallel zur Ordensausbildung den Beruf der Gemeindereferentin und Religionspädagogin erlernt. Heute erledigt sie pastorale Arbeiten mit Kleinkindern bis hin zu Senioren im Pfarrverband. Jeden Tag die verschiedenen festen Gebetszeiten, die Laudes am Morgen und die Vesper am Abend, ein Gottesdienst in der Pfarrei Neuötting und einige persönliche Gebete und Meditationen. Da scheint ein Tag, auch wenn er oft schon vor 6 Uhr beginnt, gar nicht auszureichen. Doch keine Spur von Hektik oder Stress: „Ich habe durch diese Lebensweise Zeit für meinen Glauben. Vor allem wegen der festen Gebetszeiten.“ Doch all das funktioniert bloß, weil sie auf eine Familie im konventionellen Sinn verzichtet hat. Daher war der Eintritt ins Kloster für sie auch eine Entscheidung zwischen „ganz oder gar nicht“. Und die Gemeinschaft mit den Schwestern ist ihre Familie. Wenngleich sie bisweilen den Verzicht bereue: „Ich bin auch Frau.“

(ANA vom 15.1.2011)