Reinfriede Kainz zur letzten Ruhestätte begleitet

Langjährige Seelsorgerin ist im Alter von 79 Jahren gestorben


Reinfriede Kainz

Reinfriede Kainz

Reischach. Nach langer schwerer Krankheit ist Reinfriede Kainz am 28. Mai im Alter von 79 Jahren gestorben. Viele Gemeindebürger gaben der langjährigen Seelsorgerin und Religionslehrerin auf dem Reischacher Friedhof das letzte Geleit.

Reinfriede Kainz kam am 25. März 1934 in Tittling im Bayerischen Wald als drittes von sechs Kindern einer Straßenwärterfamilie zur Welt. Bis 1945 besuchte sie die Volksschule in Preying und trat dann 1946 in das heutige Gisela-Gymnasium in Passau über, ihren Wohnsitz hatte sie dabei im Internat in Passau-Niedernburg. Der Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet hatte die Familie zwei Jahre später nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten für einen weiteren Verbleib ihrer Tochter im Internat. So dauerte es fast fünf Jahre, ehe sie in der Münchner Pfarrei "Zum guten Hirten" eine Stelle als Erziehungshelferin in einem Heim für schwer erziehbare Mädchen annahm. Fünf Jahre lang betreute sie dort eine Gruppe, dann entschloss sie sich für eine zweijährige Ausbildung zur Seelsorgerin an der Fachhochschule in Freiburg im Breisgau.

Nach ihrem Examen im Jahr 1960 begann ihr Wirken im Holzland. An der Seite von Pfarrer Johann Schmöller arbeitete sie nun in der Schule und in der Pfarrseelsorge in Reischach und Endlkirchen. Nur ein Jahr später erfolgte ein schwerer Einschnitt in ihrem Leben: im Juni 1961 erkrankte sie an Multipler Sklerose, ein zehnwöchiger Krankenhausaufenthalt folgte. Im Verlauf der Krankheit war sie seit 1978 dann auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Krankheitszustand zwang sie 1980 schweren Herzens ihre Arbeit als hauptamtliche Seelsorgehelferin aufzugeben. So gut es ging, arbeitete sie weiter ehrenamtlich in der Pfarrseelsorge mit – damals bereits mit Pfarrer Heribert Unterhuber, der 1978 die Pfarrei übernommen hatte.

Pfarrer BGR Ludwig Samereier würdigte beim Trauergottesdienst Reinfriede Kainz als optimistische Frau mit persönlicher Zufriedenheit, ihren Lebensmut habe sie sich trotz des schweren Leidens immer bewahrt. Sie habe am Ort unvergleichbare Spuren gezogen, so habe sie die Sonntagsschwestern gegründet und die Sternsingerkinder betreut und spirituell begleitet, auch habe sie mit Beginn ihres Wirkens in Reischach die Pfarrbücherei verwaltet.

Ausgezeichnet wurde sie mit der goldenen Anstecknadel des St. Michaelsbundes und der Ehrenurkunde des Bischofs von Passau. Bis vor wenigen Jahren habe Kainz trotz ihrer Beeinträchtigung noch regelmäßig Krankenbesuchsdienste im Krankenhaus Altötting ausgeübt, auch den Erstkommunionkindern das Rosenkranzknüpfen angeboten, sagte Samereier. Als großes Glück und besondere Fügung müsse angesehen werden, dass die Verstorbene bis zuletzt in ihrer Wohnung in Reischach bleiben konnte. Sie sei in selbstloser und beispielhafter Weise in all den Jahren ihres Krankseins von drei Familien begleitet, unterstützt und versorgt worden. − mbu

 

(ANA vom 19.06.2013)