Die Niederbronner Schwestern in Reischach

Die Ambulante Kranken- und Altenpflegestation

Dem Reischacher Pfarrer Josef Pledl (1927-1939) war die Sorge für kranke und pflegebedürftige Menschen ein großes Anliegen. Durch intensives Bemühen erreichte dieser Seelsorger schließlich, dass ab 1929 Niederbronner Schwestern von Neuötting aus, wo sie von 1900 bis 1980 stationiert waren, auch die Kranken der Pfarrei Reischach mitbetreuten. Kurz vor seinem Umzug nach Neuötting im Jahr 1939 holte Pledl noch Anfang Juni des genannten Jahres zwei Schwestern nach Reischach und gründete hier eine Schwesternstation. Damit war in Reischach die Grundlage für eine zwar bescheidene, doch sehr wirk­same ambulante Krankenpflege geschaffen. Die Ordensschwestern waren nun „nähere" Ansprechpartner für die Kranken

Diese bescheidene erste Krankenpflege- und Schwesternstation, die am 12. Juni 1939 (vom Ordinariat Passau genehmigt am 13. Juni 1939) durch die Pfarrei (Pfarrcaritas) und das Provinzmutterhaus der Niederbronner Schwestern in Neumarkt/Opf. in Reischach realisiert wurde, war zuerst kurzzeitig im sog. Kochsederhaus (Arbinger Straße 1), ab 1. August 1940 (Vertrag vom 30. Juli 1940) dann in dem Haus mit der heutigen Bezeichnung Petzlberger Straße 2 (Pfeffer) auf Mietbasis untergebracht und anfangs mit zwei Schwestern, ab 1940 dann mit einer dritten Schwester besetzt. Am 1. Mai 1945 wurden die drei Schwestern von den Amerikanern aus ihrer Wohnung vertrieben und für acht Wochen von einer Reischacher Familie aufgenommen. Am 23. Juni konnten sie wieder in ihre bisherige Wohnung zurückkehren.

Nach dem Kauf des sog. Sedlmaierhofes 1949 durch die Pfarrkirchenstiftung, vertreten durch Pfarrer Josef Straubinger, und Um- und Neubau dieses Anwesens 1949/50 zu einem Kindergarten mit Schwesternwohnungen und Nähschule wurde in diesem Hause auch die Ambulante Krankenpflegestation untergebracht. Ihre Einweihung erfolgte am 12. November 1950.

Das neue Gebäude wurde nun anfänglich von vier, ab 1952 von fünf bis sechs Schwestern bewohnt, von denen drei Schwestern, die schon seit 1939 bzw. seit 1942 in Reischach wohnten und wirkten (Sr. Benignata, Sr. Coelestine, Sr. Macrina), im Herbst 1950 von ihrem bisherigen Domizil an der Petzlberger Straße hierher umgesiedelt sind.

Unterstützung fand und findet diese segensreiche Institution aber auch seit jeher von den Reischacher Pfarrern (Josef Straubinger, Johann Nep. Schmöller) und heute vor allem durch BGR Pfarrer Heribert Unterhuber. Die Ambulante Kranken- und Altenpflege­station St. Elisabeth in Reischach steht mit den Krankenhäusern, den Sozialstationen so­wie dem Rotkreuz-Bereitschaftsdienst und der Ärzteschaft in bestem Einvernehmen.

 

Schwesternhaus und Kindergarten St. Martin

Von 1718 bis 1803 war der einstige uralte Vöckl- oder Holzhäublhof, später der„ Ober­müllerhof" in Reischach genannt, zugleich auch Sitz des Amtmannes des fünf Obmannschaften umfassenden landgerichtlichen Außenamtes Reischach und hatte damit die angesehene Stellung eines „Amtshofes".

Dass daraus einmal ein Schwesternhaus und Kindergarten der Gemeinde und Pfarrei Reischach werden würde, dachte damals sicherlich niemand.

Von 1808 bis 1888 wurde bei diesem landwirtschaftlichen Anwesen auch eine Bäckerei (die erste in Reischach überhaupt) betrieben, weshalb die Leute dann diesen Hof damals den„ Bäckerhof" nannten.

Am 20. Februar 1888 kaufte der Wirts- und Bräusohn von Reischach Max Sedlmaier mit seiner Ehefrau Anna diesen Bauernhof mit allen Liegenschaften (insgesamt etwa 80 Tagwerk).

Als dessen Sohn Max Sedlmaier, der mit Margarethe Schuster, geb. Rettinger, verheiratet war, am 3. April 1948 kinderlos verstarb, verkaufte schließlich 1949 seine Witwe die Gebäude des „Sedlmaierhofes", wie er nun genannt wurde, mit dem ihn umschließenden Grundstück an die Pfarrei Reischach. Die übrigen Liegenschaften wurden damals von Frau Sedlmaier, zum Teil als Baugründe, anderweitig veräußert.

Am 28. Juni 1949 (Nachtrag 18. Oktober 1949) konnte also die Kath. Pfarrkirchenstiftung Reischach, vertreten durch Pfarrer Josef Straubinger, auf dessen Initiative hin den bereits erwähnten Sedlmaierhof Haus-Nr. 10, bestehend aus „Wohnhaus, Stadel, Stallung, Kapelle, Gärtchen und Hofraum, Grünland und Furklhäuslweg`; alles zusammen 0,8236 ha, käuflich erwerben.

Noch im November 1949 wurden mit Hand- und Spanndiensten von Pfarrangehörigen die Nebengebäude des Hofes abgebrochen; danach folgte auch der Abbruch des nördlichen Teiles des Wohnhauses, insbes. der angebauten Stallung; nur der südliche eigentliche Hausteil und die alte Hofkapelle blieben stehen.

Im Frühjahr 1950 wurde dann nach den genehmigten Plänen des Diözesanbaumeisters Alfons Hornsteiner, Passau, mit dem Um- und Neubau begonnen.

Die Einweihung des neuen Hauses erfolgte am 12. November 1950 durch Prälat Dr. Johann Baumgärtler, Passau. Als Gründer des neuen Hauses nennt die Chronik mit Recht Geistl. Rat Pfarrer Josef Straubinger und die damalige Oberin Sr. Benignata Heuler. 1965 wurde am ebenfalls 1950 neu errichteten Nebengebäude des Schwesternhauses eine Autogarage angebaut, da noch im gleichen Jahr das erste Auto (ein VW-Käfer) darin Einzug hielt und das bisherige Moped der Schwestern ablöste.

Das nebenstehende Foto (zum Vergrößern einfach auf das Bild klicken) zeigt (von links) Sr. Macrina, Sr. Benignata, Sr. Benilda, Pfarrer Josef Straubinger, Sr. Wiganda, Sr. Coelestine und Sr. Adelia.

Oblag seit Gründung des Reischacher Kindergartens neben der Leitung auch dessen Trägerschaft dem Orden der Niederbronner Schwestern, so übernahm nun laut Vertrag ab 1. September 1968 die Pfarrkirchenstiftung und damit die Pfarrei Reischach zur Baulast auch die Trägerschaft. Die Pfarrei hatte nun nicht wie bisher nur für den Unterhalt der Gebäude selbst, sondern auch für die Entlohnung und Versicherung aller im Haus beschäftigten weltlichen Kräfte wie auch für die Aufwandsentschädigungen der Ordensschwestern aufzukommen. Es war dadurch zwar eine kostenintensivere Lage entstanden, doch der Zulauf, die Akzeptanz des Hauses, die Wertschätzung der Schwestern und des Kindergartens, des„ schönsten im ganzen Landkreis", blieb ungebrochen.

Am 15. Juni 1975 konnte die Feier des 25jährigen Bestehens des Reischacher Kindergartens und Schwesternhauses in sehr würdiger Weise begangen werden. Aus diesem Anlass wurde damals auch eine kleine Festschrift mit dem Titel „25 Jahre Kindergarten und Schwesternhaus Reischach ", verfasst von Josef Elfinger und Alois Stockner, herausgegeben.

Nach dem Handbuch des Bistums Passau (Stand: 1. August 1981) gehören nun zum Schwesternhaus mit Kindergarten und Kapelle samt Umgriff im Gegensatz zu 1949 insgesamt 0,7622 ha Grundfläche.

 

Chronologische Auflistung aller in Reischach stationiert gewesenen und zur Zeit stationierten Ordensschwestern

1939 - 1957 Sr. Benignata Heuler (Krankenschwester, Oberin 1939-1952)
1939 - 1962 Sr. Coelistine Schlittmaier (Krankenschwester, Oberin 1952-1962) Sr. Norberta Frey (Krankenschwester)
1940 - 1941 Sr. Norberta Frey (Krankenschwester)
1941 - 1942 Sr. Mathia Rabenstein (Krankenschwester)
1942 - 1972 Sr. Macrina Raith (Krankenschwester, Oberin 1965-1971)
1948 - 1950 Sr. Marita Schaffrath (Krankenschwester, Nähschulschwester)
1950 - 1952  Sr. Wilfreda Huber (Handarbeitslehrerin)
1952 - 1958 Sr. Adelia Brehm (Erzieherin, Leiterin)
1952 - 1967 Sr. Wiganda Günthner (Schneiderin)
1953 - 1971 Sr. Benilda Flieger (Krankenschwester)
1958 - Nov. 1958 Sr. Hieronyma Geyer (Erzieherin)
1958 - 1959 Sr. M. Lydia Stöckelhuber (Erzieherin)
1959 - 1965 Sr. Edwina Sickert (Erzieherin)
1962 - 1966 Sr. Ida Hartmann (Haus- und Küchenschwester, Oberin 1962-1965)
1965 - 1969 Sr. Petra Ochsenkühn (Erzieherin, Leiterin)
1967 - 1968 Sr. M. Tarcis Wimmelbacher (Nähschulschwester)
1969 - 1977 Sr. Petronia Willanzheimer (Erzieherin, Leiterin, Oberin 1971-1977)
1971 - 1972 Sr. Adelindis Karl (Krankenschwester)
1971 - 1986 Sr. Adele Gall (Hausschwester)
1972 - 1986 Sr. Elfriede Forstner (Krankenschwester, Hausschwester)
1972 - 1977 Sr. Reinhildis Schneider (Krankenschwester)
1977 - 1986 Sr. Petra Ochsenkühn (Erzieherin, Leiterin, zum 2. Mal hier)
1977 - 1983 Sr. Lauretta Breitsameter (Krankenschwester, Oberin 1977 - 1983)
1983 - 1989 Sr. Stella Maris Karges (Krankenschwester, Oberin 1983 - 1989)
1986 -1999 Sr. Sixtina Müller (Köchin, Haus- und Küchenschwester)
1986 - 1996 Sr. Petra Götz (Erzieherin, Leiterin, Oberin 1989 - Dez. 1996)
1989 - 1997 Sr. Guntlindis Anfang (Krankenschwester)
1991 - 1994 Sr. Angela Wude (Studentin für Kirchenmusik)
1993 - 1997 Sr. Theresa Handschuh (Erzieherin)
1997 - 1998 Sr. Maria Theresia Seitz (Oberin, Krankenschwester)
1997 - 1999 Sr. Rebecca Frohmann (Erzieherin)
1998 - Sr. Gottfrieda Schillinger (Krankenschwester)
1999 - Sr., Berlindis Koppenberger (Oberin, in der Pfarrarbeit tätig)
1999 - Sr. Klara Franziska Schiebel (Köchin, Haus- und Küchenschwester)

Stand: 2000